Bad Hersfelder Klosterschänke soll deutlich älter sein als Homberger Gasthaus

Konkurrenz für die Krone

Ein Haus mit langer Tradition: Die Klosterschänke am Bad Hersfelder Johannesberg. Foto: Schönholz

Homberg. Auf ihre Krone sind die Homberger aus guten Gründen stolz. Das altehrwürdige Fachwerk-Gebäude ist ein Blickfang am Marktplatz. Gern schmückte man sich in der Kreisstadt damit, dass die Krone die älteste Gaststätte Hessens sei. Von diesem Anspruch muss man sich aber möglicherweise verabschieden, denn dieses Prädikat wird auch für die Bad Hersfelder Klosterschänke beansprucht.

Ulrich Bommer, der Wirt der Klosterschänke, war auf das Homberger Gasthaus durch einen Bericht der HNA aufmerksam geworden. Ihm liegen Urkunden vor, wonach am Johannesberg in Bad Hersfeld schon 1623 Bier ausgeschenkt worden ist.

Erlaubnis fehlte

Schon während des Dreißigjährigen Krieges wurde am Johannesberg ein schwunghafter Ausschank betrieben, aber offenbar ohne Konzession. In der Urkunde wird die missbräuchliche Anwendung der vom Rat der Stadt Hersfeld erteilten „Erlaubnis zur Einlegung eines Trunkes Bier für den eigenen Bedarf“ beklagt. Daraus sei unbefugterweise eine förmliche Bierschenke geworden, monierten die Ratsherren.

Anders in Homberg: Valentin Stirn, der in Homberg 1721 die „Reichscrone“ als Gaststätte eröffnete, war gleichzeitig der Posthalter und arbeitete mit landgräflicher Konzession. Darauf weist Dr. Gerhard Grebe hin. Er ist Vorsitzender des Vereins Bürger für Homberg, der sich auch mit historischen Themen beschäftigt. Die Krone sei seit 1721 fortwährend Gasthaus geblieben. Für die Bad Hersfelder Klosterschänke gelte das seines Wissens nicht, berichtete Grebe.

Einen Streit um des Kaisers Bart hält er aber für überflüssig. Unkonzessionierte Ausschanke habe es in dieser Zeit wohl viele gegeben. Was die reguläre Existenz und durchgehende Tradition angehe, sei das Prädikat für die Homberger Krone als „wohl ältestes Gasthaus Hessens“ aus seiner Sicht nach wie vor berechtigt.

Stiftung für Gasthaus

Dem Verein Bürger für Homberg liegt die Krone sehr am Herzen. Derzeit konzentrieren sich Gerhard Grebe und seine Mitstreiter darauf, der Krone wieder Leben einzuflößen. Seit März 2011 steht das Traditionsgasthaus nämlich leer. Der frühere Pächter hatte sich anderweitig orientiert. Die Geschäfte liefen nicht schlecht, aber neben der Pacht mussten immens hohe Nebenkosten aufgebracht werden. Die Krone schluckte einfach zuviel Energie.

Der Verein möchte das Haus kaufen, es soll energetisch saniert und dann wieder als Gaststätte verpachtet werden. Das Geld soll unter anderem über eine Stiftung aufgebracht werden.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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