Angeklagter missbrauchte Vertrauen und bediente sich selbst

Konto wurde geplündert

Fritzlar. „Ja, es stimmt, das alles habe ich getan.“ Dieses Geständnis des Angeklagten wirkte sich wesentlich auf das Urteil des Fritzlarer Schöffengerichts aus.

Doch bevor das gesprochen wurde, schilderte die Staatsanwaltschaft ausführlich die begangenen Taten: Ein Mann hatte seinem Freund – dem Angeklagten – mit großem Vertrauen die uneingeschränkte Vollmacht über sein Bankkonto gegeben.

Der Angeklagte, ein Handelsvertreter, geriet kurz darauf in eine Art Schicksalsstrudel. Seine Ehe wurde geschieden. Private Schulden wuchsen schneller als erwartet an. Die Einnahmen aus der Reisetätigkeit als Vertreter ließen dramatisch nach. Es folgte die Arbeitslosigkeit. Und dann war da das gut gefüllte Konto des Freundes und der ungehinderte Zugang. Zwischen 2010 und 2012 wurden über hundert Mal Summen von zehn bis fünfhundert Euro abgehoben. Ursprünglich waren es über 27 000 Euro.

Er habe dabei nicht an Unterschlagung gedacht, es sei eher ein heimliches, ungefragtes Entleihen gewesen. Deshalb habe der Angeklagte auch die Summe einer aufgelösten Lebensversicherung auf das Freundeskonto überwiesen. Gleichzeitig ging die Selbstbedienung am Konto des Freundes weiter. Positiv vermerkt wurde, dass der Angeklagte wieder in einem festen Arbeitsverhältnis stehe und seit dem vergangenen Jahr monatliche Rückzahlungen leiste. Ein anhängiges Zivilverfahren wurde mit gütlicher Einigung abgeschlossen. Der Angeklagte hatte versucht, den Geschädigten zu treffen, was von diesem abgelehnt wurde.

Nach längerer Beratung teilte das Gericht mit, dass durch die klaren Aussagen zum Tathergang dem Gericht viel Arbeit erspart bleibe. Es hätte sonst zu jeder einzelnen Position eine Befragung geben müssen.

Dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf anderthalb Jahre Haft, ausgesetzt zur dreijährigen Bewährung, schloss sich die Verteidigung an. Das Gericht übernahm diese Strafhöhe in das Urteil.

Da der Verurteilte mit beiden Beinen im Leben stehe, wie das Gericht betonte, könne von einem Bewährungshelfer abgesehen werden. Der Verteidiger und sein Mandant verzichteten auf Rechtsmittel und nahmen das Urteil an.

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

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