Das Orchester Deutsche Einheit spielte zum Nationalfeiertag in der Hardtwaldklinik

Konzert der großen Kontraste

Spende für die Meisterkonzerte: 10 000 Euro gab es von der Kulturstiftung der Kreissparkasse, von links Heinrich Haupt, Rüdiger Kling, Dr. Ferhat Derman und Hartmut Landau. Foto: privat

Bad Zwesten. Passend zum Nationalfeiertag fand in der Kulturhalle der Hardtwaldkliniken ein Konzert mit dem Orchester Deutsche Einheit (ODE) unter der Leitung von Christian Fitzner statt. Das Orchester besteht im Kern aus den Musikern des Philharmonischen Kammerorchesters Werningerode und wird ergänzt durch junge Instrumentalisten aus ganz Deutschland. Als Solistin wirkte die in Bad Zwesten bestens bekannte Geigenvirtuosin Melina Mandozzi mit.

Das Programm hätte kaum kontrastreicher sein können: Zu Beginn das Meistersinger-Vorspiel von Richard Wagner, mit dem sich das Orchester vorstellte, ein homogener Klangkörper mit glänzend besetzten Streichern und virtuosen Bläsern.

Danach folgten die beiden Violinkonzerte (a-moll und E-Dur) von J.S. Bach mit Melina Mandozzi als Solistin. Welch ein Kontrast! Die Bläser, die eben noch für den dominierenden, barocken Wagnersound gesorgt hatten, verließen die Bühne, zurück blieben die Streicher, verstärkt durch ein Cembalo.

Was die Besucher nun zu hören bekamen, war einfach wunderbar, Musik aus einer anderen Welt. Wie über dem schlanken Streicherklang sich die Solovioline erhob, energisch und temperamentvoll in den Ecksätzen der beiden Konzerte, elegisch in den überirdisch schönen Kantilenen der langsamen Sätze.

Mandozzi hat in allen großen Konzertsälen der Welt gespielt. Dass sie immer wieder gern nach Bad Zwesten kommt, ist ihrer Freundschaft mit dem Ehepaar Derman zu verdanken, und davon profitieren die Musikfreunde der Region. Es war eine gute Idee, beide Violinkonzerte zu spielen, denn zwischen den imposanten Werken für großes Orchester wäre nur eines der fast kammermusikalisch anmutenden Bachkonzerte etwas untergegangen.

Nach der Pause dann die große Schubertsinfonie, so genannt, um sie von einer früheren Sinfonie, ebenfalls in C-Dur, zu unterscheiden. Sie ist die letzte von Schuberts Sinfonien und entstand nach der „Unvollendeten“.

Schubert wollte mit einem monumentalen Werk einen Bezug zu Beethoven herstellen. Die Interpretation Fitzners und seines Orchesters machte diesen Bezug deutlich: Die Wiedergabe wirkte eher klassisch als romantisch. Fitzner legte den Akzent weniger auf die Melodienseligkeit Schuberts als viel mehr auf das Kraftstrotzende dieses gigantischen Werks. Das Orchester folgte seinen Intentionen mit größter Konzentration und Spielfreude.

Viel Applaus für dieses beeindruckende Konzert. (nh)

Von Dr. Ulrich Skubella

Quelle: HNA

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