Dr. Christoph Berwanger über die Therapie bei Migräne

Kopfschmerz ist weiblich

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Spezialist für Schmerztherapie: Dr. Christoph Berwanger, Ärztlicher Leiter der Hardtwaldklinik I in Bad Zwesten.

Bad Zwesten. Kopfschmerz ist weiblich: 80 Prozent der Migränepatienten sind Frauen. Das resümiert Dr. Christoph Berwanger, Ärztlicher Leiter der Hardtwaldklinik I in Bad Zwesten. Die Klinik hat sich auf die Therapie von Schmerzen spezialisiert. Migräne ist einer der Schwerpunkte der Rehabilitation.

Diese Therapie beschäftigt sich mit Ansätzen, die über die rein medikamentöse Behandlung hinaus gehen. Psychotherapie, Gruppengespräche, Verhaltensänderung und Entspannung gehören dazu.

Zunächst gelte es, die richtige Diagnose zu stellen, so Berwanger. 15 Prozent der Menschen leiden an Kopfschmerzen. „Nicht jeder Kopfschmerz ist aber Migräne“, sagt Berwanger.

Migräne sei ein pulssynchroner, sehr starker und meist klopfender Kopfschmerz. Bei der Anamnese stelle man immer wieder fest, dass der Kopfschmerz sich bei Licht, Lärm und Bewegung verstärke. Daher würden sich viele Patienten zurückziehen und ruhen.

Es gebe aber keinen Laborwert für Migräne, weshalb eine ausführliche Bestandsaufnahme Voraussetzung für den richtigen Befund sei.

Bei vielen Frauen trete die Migräne in Zusammenhang mit der Menstruation auf. Dass dieser Art von Kopfschmerz eine Frauensache ist, sei daher wahrscheinlich in Zusammenhang mit dem Hormonspiegel. Man habe einer Gruppe von Männern in einem Versuch, Östrogene (weibliches Hormon) gegeben und beobachtet, dass die Zahl der Attacken auch bei ihnen zunahmen.

Und: In den Wechseljahren verbesserten sich die Symptome oft.

Migräne sei vererbbar. Dazu komme die Belastung in Beruf und Privatleben. „Gerade Frauen seien oft mehrfach gefordert, in Beruf und Familie mit Kindern und der Pflege von Eltern oder Großeltern. Diese Belastungen verstärkten die Attacken.“

Hoher Perfektionsanspruch

Auch der Lebensstil habe Wirkung auf die Migräne. „Viele Frauen haben einen sehr hohen Perfektionsanspruch“, sagte er. Viele lasteten sich rund um die Uhr Dinge auf und kämen nicht zur Ruhe. „Manchmal helfen schon kleine Veränderungen wie ein Mittagsschlaf, damit sich die Symptome verbessern“, sagte er .

Zur ganzheitlichen Therapie gehören auch Gruppensitzungen und einzelne psychologische Beratungen. Sie helfen Ansätze zu finden, wo der Patient etwas an seinem Verhalten ändern kann. Das spiele neben der medikamentösen Therapie eine große Rolle.

Psychische Probleme oder depressive Störungen könnten mit Auslöser für die Anfälle sein. Entspannung und Physiotherapie unterstützten den Heilungsprozess. Vielen Patienten gehe es schon in den ersten Wochen der Kur besser. Noch sechs Monate nach der Kur fühlten sich viele gut.

Dafür müssten die Patienten aber auch etwas tun und nach der Reha zu Hause weiter arbeiten.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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