Jost Gandenberger versucht, Quinoa im Schwälmer Land zu kultivieren

Korn mit magischer Kraft

Eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit: Agrartechniker Jost Gandenberger aus Immichenhain (oben) testet in Feldversuchen, ob der Anbau auch in der Region gelingt. Bei Geschäftspartner Jason (unten) in Frankreich klappt es schon recht gut. Fotos:  3 Rose/1 Privat/nh

Immichenhain. Quinoa ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Sie dient den Ureinwohnern der südamerikanischen Anden schon seit 6000 Jahren als wichtige Nahrungsgrundlage. Agrartechniker Jost Gandenberger aus Immichenhain ist von den Vorzügen des Getreides überzeugt – er versucht, Quinoa auch in der Schwalm zu kultivieren.

In Frankreich, bei Freund und Geschäftspartner Jason Abbott Abbottagra, klappt der Anbau schon sehr gut. Deshalb reist der 45-Jährige häufig nach Frankreich, um die Ernte zu begutachten. „Im Mittelalter war Quinoa wesentlich verbreiteter. Mönche bauten das Getreide in Spanien an“, erklärt Gandenberger. Hirse habe das Getreide verdrängt. „Weil Hirse einfach ertragreicher war“, sagt der Experte.

Dabei liegen für den Immichenhainer die Vorteile klar auf der Hand. „Quinoa ist die einzige Getreidesorte, die zu 90 Prozent verdaulich ist und die alle wichtigen Spurenelemente enthält“, verdeutlicht der Techniker. Der Gehalt an Eiweiß sei fast ebenso hoch wie bei Fleisch.

Seit 2010 testet Gandenberger in Feldversuchen, was das Getreide zum Wachsen braucht. Erste Anbauversuche gab es unter anderem in der Wetterau und in Schrecksbach. Günstig für die Aussaat sei der Monat April mit einer Bodentemperatur von zehn Grad, die Luft sollte eine Temperatur von 15 Grad haben. „Die Reifeentwicklung dauert 120 Tage“, erläutert Gandenberger. Quinoa liebe leichten, sandigen Boden. Für die Jugendentwicklung brauche es Stickstoff-Dünger. Sei das Feld erst einmal abgedeckt, sei ein geringer Pflegeaufwand nötig. „Wichtig ist ein absolut sauberes Saatbett“, sagt Gandenberger. Quinoa vertrage keine Konkurrenz. Und genau die sorge in diesem Jahr für Probleme: „Es gibt wesentlich mehr Unkräuter als in den Vorjahren“, erklärt der Agrartechniker. Auch Schädlinge machten sich an den Pflanzen zu schaffen.

Anbau in den USA seit 1970

In Frankreich seien die klimatischen Bedingungen optimal. Dort verarbeiteten bereits etliche Bäckereien das Getreide. In Deutschland hat Gandenberger in Berlin eine Bäckerei gefunden, an die er das Getreide liefert. Derzeit gebe es Gespräche mit heimischen Bäckereien. Die Entwicklung der Rekultivierung gehe übrigens von den USA aus, erklärt Gandenberger. Dort werde Quinoa bereits seit den 1970er-Jahren angebaut.

Die Inka schrieben dem Korn magische Kräfte zu und benutzten es für kultische Handlungen. Die spanischen Eroberer verboten schließlich den Anbau. „Weil ihnen die Pflanze zu energiereich war“, erklärt der 45-Jährige. Es folgte der Niedergang der einheimischen Volksnahrung und beschleunigte den Siegeszug der europäischen Getreidearten Weizen, Gerste und Hafer.

Verwendung als Beilage

So vielseitig wie das Innenleben sind die Einsatzmöglichkeiten von Quinoa in der Küche. Am einfachsten ist die Verwendung als Beilage. Die Körner sind in nur 15 Minuten gar. Auch für Aufläufe, Füllungen, Bratlinge, Klöße, Fladen, Pfannkuchen und Süßspeisen ist das Andenkorn geeignet. Jost Gandenberger glaubt an das Potential der Pflanze: „Sicher ist in den kommenden fünf Jahren damit noch kein Geschäft zu machen, aber der Markt ist da.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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