Korso in Bad Emstal: Mehr als 300 Demonstranten gegen Suedlink

Korso durch Balhorn: Ein Trecker mit Anhänger und Protest-Schildern führte den Demonstrationszug an. Fotos:  Dilling

Bad Emstal. Die Landfrauen Bad Emstals können nicht nur feiern. Unter diesem Motto schlossen sie sich dem Korso aus Autos, Treckern und vielen Fahrrädern an, der - eskortiert von Polizei und Feuerwehr - von Balhorn aus nach Sand, Merxshausen und Riede rollte.

Mehr als 300 Demonstranten waren nach Schätzung der Polizei zwischen den Ortsteilen unterwegs und waren damit dem Aufruf der Bürgerinitiative Bad Emstal gefolgt, gegen den geplanten Bau der Gleichstromtrasse Suedlink Flagge zu zeigen. Hinter den Demonstranten stauten sich die Autos auf der B 450 auf bis zu 300 Meter, ein Überholen war nicht möglich.

Picknick im Kurpark: In Sand machten die Demontranten Station, stärkten sich mit Bratwurst und hörten Vorträge zum Thema Energiesparen.

Die Bundesregierung und der Netzbetreiber Tennet hatten erst vor kurzem signalisiert, dass es beim Bau der geplanten Trasse einen Vorrang für eine Erdverkabelung geben werde. Ursprünglich waren über 70 Meter hohe Masten auch durch das Wolfhager Land geplant. Dieses Zugeständnis an die Sorgen der betroffenen Anwohner der Trasse lässt die Gegner aber unbeeindruckt. „Die Auswirkungen des Elektrosmogs sind gerade bei einer Erdverkabelung unabsehbar. Mich ärgert nur, dass viele Kasseler das nicht zu interessieren scheint. Dabei können auch sie betroffen sein“, sagte Veronika Carl, Landfrau aus Riede.

Die geplante Trasse diene gar nicht in erster Linie dazu, Windstrom von der Küste nach Bayern zu transportieren, sondern den großen Stromkonzernen den europaweiten Handel mit Strom zu erleichtern, sagte Bernd Friedmann aus Balhorn. Da werde auch viel Atomstrom aus den östlichen Nachbarländern transportiert.

Dezentrale Versorgung 

Man habe bewusst während der Sommerferien Flagge zeigen wollen, sagte Veronika Papenhagen-Stannick, Organisatorin der Demonstration und Vorsitzende der Bürgerinitiative. Es bestehe die Gefahr, dass sonst das Problem bis zum Ende der Ferien aus dem Blick der Politiker gerate. Bei einer Kundgebung im Kurpark von Sand betonte sie, man setze weiter auf eine dezentrale Energieversorgung. Neueste Studien legten nahe, dass Suedlink überhaupt nicht gebraucht werde. Der Demonstrationskorso lockte insgesamt nur wenige Leute auf die Straße. Papenhagen-Stannick war dennoch zufrieden. Es seien viele Leute zu den Info-Ständen in den Ortsteilen gekommen. Polizei und Feuerwehr hätten hervorragend für Sicherheit an der Strecke gesorgt.

Trotz des ernsten Themas war die Stimmung fröhlich, Familien mit Kindern fuhren an der Spitze der Kolonne. An allen Haltepunkten des Korsos gab es Bratwurst, Hinweis auf das Motto der Demo „Bad Emstal…ist uns nicht Wurst“. Experten gaben Energiespartipps, wie man persönlich dazu beitragen kann, dass eine neue Stromtrasse nicht benötigt wird.

Quelle: HNA

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