Jesberg hat 11 Millionen Euro Schulden

Die Kosten im Kellerwald explodieren

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Hoher Schuldenstand: Die Kellerwaldgemeinde fühlt sich von Land und Bund bei der Finanzierung von Kanal und Kindergartenplätzen im Stich gelassen.

Jesberg. Diese Haushaltsrede halten zu müssen, war für Bürgermeister Günter Schlemmer am Montagabend garantiert alles andere als ein pures Vergnügen. Denn die Gesamtverschuldung der Gemeinde Jesberg ist mittlerweile auf 11 Millionen Euro gestiegen.

Schuld daran ist der Rekordkredit von 2,4 Millionen Euro, den Jesberg im vorigen Jahr aufnehmen musste.

Das Tragische daran: Die finanzielle Situation ist so mau wie nie – und das, obwohl die Verwaltung schon an allen Ecken und Enden spart und die Gebühren für Kindergarten, Abwasser, Schwimmbad, Friedhöfe erhöht.

Gebühren steigen weiter

Günter Schlemmer machte in der Parlamentssitzung im Rathaussaal keinen Hehl daraus, dass die Gemeinde weiter an der Gebührenschraube drehen muss. Und das trotz der Tatsache, dass das Haushaltsdefizit gegenüber dem Vorjahr um 100 000 Euro verringert sei und sich damit auf 287 000 Euro belaufe.

Schuld am Dilemma seien die enormen Pflichtaufgaben, die die Städte und Gemeinden ohne Unterstützung von Bund und Land schultern müssten: „Das ist ein Schlag ins Gesicht der kleinen Dörfer.“ Bemerkbar mache sich diese Belastung vor allem beim Kanalbau und bei den Kindergärten: Durch die Schaffung von Plätzen für die unter Dreijährigen seien die Kosten für die Betreuung geradezu explodiert.

Doch nutze es nichts zu jammern: Wenn Jesberg sich nicht kaputt sparen und weiterhin als Heimat für junge Familien attraktiv sein wolle, dürfe man nicht zulassen, dass der ländliche Raum in Grund und Boden geredet werde. Gefordert sei jetzt ehrenamtliches Engagement, Eigenleistung, Selbstverantwortung und Nachbarschaftshilfe, sagte Schlemmer beim Einbringen des Zahlenwerks. Nur mit diesen Begriffen könne man künftig die Lebensqualität auf dem jetzigen Niveau erhalten, sagte Schlemmer.

Zudem plädierte er für mehr Akzeptanz und Toleranz für die Windkraft. Sie stelle eine gute Chance für die Gemeinde dar, eine Einnahmequelle zu erschließen. Und davon gibt es im Kellerwald nicht unbeschränkt viele.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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