Kostümteam sorgt bei Klosterspielen Merxhausen für glanzvollen Auftritt

Hat die Übersicht: Ute Westphal hat gerade in den letzten Wochen bis zur Premiere die Spickzettel an der Wand immer im Blick.

Merxhausen. Ein wenig enttäuscht sind sie schon, die jungen Mädchen der Klosterspiele Merxhausen. Ein paar triste, braun-beige Lumpen müssen sie tragen, als Bettlerkinder in „Der Glöckner von Notre Dame“ sollen sie schließlich möglichst echt rüberkommen.

Die Kostüme gefallen ihnen nicht, gern hätten auch sie ein solch prächtiges Kleid getragen wie Andrea Fink, die als Hermine de Lys ab 23. Juni edel gewandet über die Freilichtbühne schreiten darf.

„Ein wenig lang ist es noch“, sagt Bärbel Damm, greift zum Nadelkissen und hat im Nu die optimale Länge abgesteckt. Ein Spitzentaschentuch fehlt noch, das verrät ein Blick auf ihren Spickzettel. Von jedem Darsteller hängt einer an der Wand, worauf die noch fehlenden Arbeitsschritte stehen. Knapp zwei Wochen vor der Premiere sind das nur noch Kleinigkeiten. Doch auch die sind wichtig, denn „ein Kostüm wird erst durch das entsprechende Handrequisit perfekt“, sagt Vorstandsmitglied Ute Westphal, die erstmals die Arbeit des neuen Kostümteams koordiniert. Die aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen ausgeschieden Vorgängerinnen hätten aber in all ihren Jahren einen wunderbaren Grundstock geschaffen, mit dem es sich im alten Pförtnerhäuschen der Klosteranlage bestens arbeiten lasse.

Grüne und rote Knöpfe, große und kleine, aus Plastik und Horn. Hier ist alles vorhanden. Nähgarn in allen nur erdenklichen Farben ist fein säuberlich in einen antiken Nähschrank einsortiert. „Unser Schätzchen, es stammt aus der alten Näherei der Klosterklinik“, sagt Westphal. Sie strahlt, wie auch Kollegin Damm, während sie gemeinsam im Fundus stöbern. Erinnerungen werden wach, lagern hier doch 19 Jahre Klosterspiele-Geschichte fein säuberlich in Kisten verpackt und auf Kleiderbügel gehängt. Die Rattenkostüme aus „Rabatz im Zauberwald“ etwa, oder die Hexengewänder aus „Die kleine Hexe“ samt Hüten, von denen einer ursprünglich mal ein Frotteehandtuch war. Auch die Weinflasche aus „Die Schöne und das Biest“ hängt noch dort. Dass ihr alte Waschmaschinenschläuche einst die Form gegeben haben, hätte bei den Aufführung vor zwei Jahren im Publikum wohl niemand für möglich gehalten.

Ein Großteil der aktuellen Kostüme stammt aus dem hintersten Raum, der einem überdimensionalen Kleiderschrank gleicht. Vom rosa Mädchentraum bis zum schrulligen 60er-Jahre-Abendkleid ist hier für jeden Anlass, für fast jede Zeitepoche, für jeden Charakter etwas zu finden. Und fehlt einmal etwas, wird es von befreundeten Bühnen ausgeliehen oder eben genäht, von den fleißigen Bienen des Kostümteams. Die wissen, wie wichtig ihr Job hinter den Kulissen ist, denn „die Schauspieler müssen mit ihren Kostümen zufrieden sein, um in ihren Rollen aufgehen zu können“, sagt Damm. Auch die jungen Bettlerskinder. Deshalb gibt sie den jungen Mädchen noch ein paar aufmunternde Worte mit auf den Weg und ist sich sicher: „Wenn sie auf der Bühne ihren ersten Applaus abgekriegt haben, dann werden auch sie die Schönheit ihrer Kostüme erkennen.“

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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