In Frankenhain gingen junge Leute auf die Pflanzen-Suche am Wegesrand

Von der Kraft der Kräuter

Überraschungen inklusive: Anette Schäfer erklärte den Teilnehmern des Workshops, wie Heilkräuter wirken. Fotos: Rose

Frankenhain. Giftig grün ist die Farbe des Hexentrunks in der großen Glaskaraffe: Ein bisschen vorsichtig probieren Emily Staab und Lea Kriesten das Getränk. „Würde man die Augen schließen und die Farbe nicht sehen, würde es noch viel besser schmecken“, glauben die jungen Damen. Dafür mundet der klein geschnittene Spitzwegerich auf Crackern und Buttern allen vorzüglich.

Ums Grün und vor allem ins Grün ging es am Mittwoch für zwölf junge Teilnehmer eines Kräuterworkshops in Frankenhain. Zusammen mit Anette Schäfer – sie nennt sich selbst die grüne Frau – erkundeten die Jungen und Mädchen die Gegend um den Schwalmstädter Ortsteil auf der Suche nach Heilkräutern. Zuvor stimmt die Heilpflanzenkundige ihre Lehrlinge auf den Nachmittag ein. Der Duft von entzündetem Beifuß erfüllte die Luft: „Er sollte die Hellsichtigkeit fördern. In großen Büscheln am Haus angebracht, diente er dazu, das Gebäude vor Blitzschlag zu schützen“, erklärte Schäfer.

Vorbei an Hagebutten der Heckenrose – „aus den Früchten lässt sich Marmelade kochen“ – schlenderte die Gruppe behängt mit Stoffbeuteln hinüber ins Feld. Die Teilnehmer bewunderten Wilde Malve, „daraus kann man einen Hustentee kochen.“ Ganz praktisch sei hingegen der Gundermann einzusetzen. Gund, altgermanisch für Eiter, trage zur Wundheilung bei. Allerorten entdeckten die Teilnehmer Breitwegerich. „Wanderer legen sich das Kraut gegen Blasen in die Schuhe“, sagte Schäfer.

Und der Wegesrand hatte noch mehr zu bieten, etwa Meerrettich. Beim scharfen Geruch rümpfte der Nachwuchs die Nase. Fleißig sammeln durften die Kinder auf einer Wiese Spitzwegerich für die Hexenküche. Während das Kraut lecker mundete, verging den Lehrlingen bei der Scharfgarbenblüte die Lust am Weiterkauen. „Sie enthält viele Bitterstoffe, ist aber gut für die Verdauung“, ermutigte Schäfer. Finn Friedewald und Paul Engelbrecht griffen hingegen beherzt bei der Brennnessel zu. Wenig zimperlich strichen sie die feinen Härchen von der Pflanze ab und mimten die Vorkoster. „Die Samen schmecken prima über einen Salat gestreut. Dazu werden sie ohne Fett in einer Pfanne angeröstet“, erklärte die Frankenhainerin. Im Wald erfrischten sich die Spaziergänger an Waldsauerklee.

„Er schmeckt nach Zitrone, hat viel Vitamin C und ist erfrischend“, sagte die Heilpflanzenkundige. Neugierig probierten die Kinder Moos und lernten: „Moose sind die Dinosaurier der Kräuter. Sie schmecken nach Fisch und sind nahrhaft.“ Wieder im Garten der grünen Frau angekommen, erfrischten sich die Lehrlinge mit Hexentrunk und mischten ihre Kräuter in Badesalz und Honig. Ins Grüne wollen sie alle wieder gehen – um achtsam Grünes zu sammeln. HINTERGRUND

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Kommentare