88-Jähriger trainiert an modernsten Geräten - Ältestes Mitglied im Fitness-Studio

Kraft für die Motorsäge

Arbeitet für seine Gesundheit: Der 88-jährige Johann-Georg Thiel (Mitte), ältestes Mitglied im Fitness-Center Injoy mit dem sportlichen Leiter Dierk Salin (rechts) und Frank Dehnert, Inhaber des Fitness-Studios. Foto: Lache-Elsen/zal

Treysa. Als Landwirt hat Johann-Georg Thiel sein Leben lang schwer gearbeitet. Holz machen, das musste der 88-Jährige schon als Kind. Das begleitete ihn sein ganzes Leben. Weil er seine Kräfte schwinden sah, meldete sich der Wasenberger vor vier Monaten im Fitness-Studio in Treysa an. Seinen Weihnachtsbaum hat Thiel dieses Jahr wieder selbst schneiden können. Fast täglich trainiert Thiel, der das älteste Mitglied in dem Fitness-Studio ist.

„Als ich im August angefangen habe, konnte ich fast nichts mehr“, erinnert sich Johann-Georg Thiel. Die Motorsäge habe er nicht mehr anlassen können. Auch den Berg auf seinem Hof habe er nicht mehr hochlaufen können. Damit wollte sich der 88-Jährige nicht abfinden. Auf eigene Initiative hin meldete er sich im Fitness-Studio an.

Am 15. August kam er zu einer Eingangsuntersuchung, seither ist er fast täglich in der Einrichtung. Der sportliche Leiter und sein Trainer Dierk Salin, ein Diplom-Sportwissenschaftler, stellte ihm einen Trainingsplan zusammen, den er diszipliniert abarbeitet. „Er ist sehr fleißig“, bestätigt Salin. Thiel trainiert an fast allen Geräten. „Er geht alle durch“, sagt Salin. Wie alle anderen Fitnessbegeisterten auch macht er ein so genanntes computergestütztes Chipkartentraining. „Das ist sehr bedienerfreundlich“, erklärt Salin.

Johann-Georg Thiel entstammt eigenen Angaben zufolge einer uralten Wasenberger Familie, die schon im Dreißigjährigen Krieg in Wasenberg beheimatet war. Sein Urahne Caspar sei einer derjenigen gewesen, die 1619 die so genannte Landrettungssteuer bezahlten, berichtet Thiel.

Das Langzeitgedächtnis funktioniert noch gut, erzählt der 88-Jährige, der zwei Kinder, vier Enkel und ein Urenkelkind hat. Sein Handycap sei das Hören.

Seine Leidenschaft ist das Holzmachen. Schon als Kind musste mit anpacken. Sechs Kinder seien sie gewesen, damals brauchte man Holz zum Kochen und zum Heizen. Die Thiels haben Wald, der über Waldinteressenten verwaltet wird. Während des Zweiten Weltkriegs sei er bei den Russen in Gefangenschaft geraten. Die seien immer gut zu ihm gewesen, erzählt er. Dort habe er als Zimmermann gearbeitet. Weil er Landwirt war, setzte man voraus, dass er mit Holz arbeiten kann.

„Jetzt hab ich wieder Kraft“

1946/47 baute mit anderen Kriegsgefangenen einen Flügel eines russischen Schlosses wieder auf. Auch nach dem Krieg ging er viele Jahre in den Wald, auch, um den Bestand zu durchforsten. Bis ins hohe Alter arbeitet er gerne mit Holz. „Jetzt hab ich wieder Kraft für die Motorsäge“, freut er sich. Die müsse er beim Anlassen hinstellen, „aber ich zieh’ sie noch sehr gut.“ Einmal pro Woche fährt er ins Thermalbad nach Bad Zwesten, „das tut mir alles sehr gut.“

Sich wieder besser bewegen zu können, ist Lebensqualität für Thiel, der sich freut, dass er für sein Alter noch so gut auf den Beinen ist. (zal)

Von Alexandra Lache-Elsen

Quelle: HNA

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