Rettungsdienste und Pflegekräfte haben es zunehmend mit Schwergewichten zu tun

Kraftakt für dicke Patienten

Wolfhager Land. Pflegekräfte und Rettungsdienste haben es immer häufiger mit stark übergewichtigen Patienten zu tun. Man stellt sich darauf ein, dass sich das Problem verschärft.

„Übergwichtige Patienten sind in der Wolfhager Klinik ein Thema“, bestätigt Inga Eisel, Sprecherin der Gesundheit Nordhessen Holding. „Wir haben circa zehn bis zwölf Patienten pro Jahr, die die Grenze von 150 Kilo überschreiten.“ Für diese Patienten müsse man in Wolfhagen extra Mobiliar leasen. Die Standard-Betten seien in dieser Gewichtsklasse ebenso überfordert wie die Mitarbeiter. Damit das Personal in der Klinik bei der Behandlung und Pflege dieser Patienten keinen Schaden nimmt, setze man spezielle Betten und Liftsysteme ein. Im Klinikum Kassel sind für adipöse Patienten bereits zwei Zimmer mit entsprechender Ausstattung fest eingerichtet.

Wegen der steigenden Zahl schwergewichtiger Patienten biete die Gesundheit Nordhessen ab dem kommenden Jahr Fortbildungen zur so genannten Bariatric-Fachkraft an. Damit will man einen Stab von Pflegekräften schaffen, die fit im Umgang mit den Schwergewichten sind. Schulungen für rückengerechtes Arbeiten gehöre beim Personal, so Inga Eisel, schon länger zum Programm.

Auch die Rettungsdienste sind angesichts der steigenden Zahl übergewichtiger Patienten verstärkt gefordert. Die Standard-Liege der Rettungsfahrzeuge ist für Personen bis maximal 180 Kilo einsetzbar, sagt René Onimischewski, Leiter der Wolfhager DRK-Rettungswache.

Transport mit Drehleiter

Ist ein stark übergewichtiger Patient zu transportieren, werde ein zweiter Rettungswagen zur Hilfe gerufen, um dann mit vier Trägern den Patienten zum Fahrzeug zu bringen. Oder man fordert Unterstützung durch die Feuerwehr an, meist, wenn ein enges Treppenhaus Probleme bereitet. Und wenn dann Muskelkraft allein immer noch nicht ausreicht, rückt auch schon mal die Wolfhager Kernstadt-Wehr mit der Drehleiter aus. Die Steighilfe wird dann zu einer Art Lastenaufzug umfunktioniert.

In diesem Jahr, sagt Wolfhagens Stadtbrandinspektor Frank Brunst, sei die Leiter aus diesem Grund bislang einmal im Einsatz gewesen. Bei Patienten über 200 Kilo „ist aber auch für die Drehleiter Schluss“, so Brunst.

Schwerlast-Transporter

Dann hilft nur noch der Schwerlast-Rettungstransportwagen. Ein solches Fahrzeug ist seit Juli bei der Kasseler Berufsfeuerwehr im Einsatz. Der Rettungswagen wurde speziell für die ganz schweren Fälle umgebaut, ist ausgestattet mit Rampe, mechanischer Hebevorrichtung und einer Trage, die ein Gewicht von 725 Kilogramm aushält. Das Einsatzgebiet: Kassel Stadt und Land. Pro Woche, sagt Karl-Heinz-Krütt, Chef der Kasseler Berufsfeuerwehr, wird der Wagen im Schnitt einmal angefordert. ZUM TAGE

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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