Alt und krank auf dem Land: Grüne schlagen mobile Krankenschwestern und Mediziner vor

Grüne Frauen: von links Dr. Bettina Hoffmann, Margitta Braun, Kordula Schulz-Asche und Moderatorin Ellen Ehring sprachen über die Medizinversorgung der alternden Gesellschaft. Foto: Rose

Ziegenhain. Die Gesundheitsversorgung steht in Zeiten der alternden Gesellschaft vor enormen Herausforderungen, besonders auf dem Land. Außerdem: Knapp die Hälfte der 118 Hausärzte im Landkreis wird in wenigen Jahren altersbedingt ausscheiden. Wie kann eine flächendeckende Versorgung trotzdem gelingen?

Darüber sprach am Freitagabend Kordula Schulz-Asche im Hotel Rosengarten in Ziegenhain. Die Vize-Fraktionsvorsitzende und gesundheitspolitische Sprecherin der hessischen Grünen, gemeinsam mit Dr. Bettina Hoffmann, Kreisausschuss und Spitzenkandidatin von Bündnis 90/ Grüne im Kreis, stellte die Landtagsabgeordnete die Grünen-Vorschläge vor. Zwar herrsche bei der ärztlichen Versorgung im Kreis noch kein Notstand, sagte Hoffman, „aber es brennt.“

Schulz-Asche kritisierte scharf die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung: „Das ist ein veraltetes Instrument, das nicht am Patienten ausgerichtet ist.“ Bedenklich findet sie die Zahl der Ärztinnen in Deutschland ein, die nicht arbeitetet. 30 000 Medizinerinnen praktizierten nicht, weil es nicht mit der Familie vereinbar sei. „Wir brauchen für sie eine Infrastruktur, die in die Kommunalpolitik herein reicht“, sagte Schulz-Asche.

„Menschen über 75 können durchschnittlich eine Strecke von 500 Metern zu Fuß zurück legen.“

Die Zuspitzung der Lage ergibt sich nach ihrer Aussage durch massive Überalterung. Der Anteil der Über-75-Jährigen steige rapide. In diesem Alter litten Menschen oft unter mehreren Krankheiten, daraus resultiere eine stärkere Nachfrage nach ärztlichen Leistungen. Ein Problem stellt die schwindende Mobilität dar. „Menschen über 75 können durchschnittlich eine Strecke von 500 Metern zu Fuß zurück legen.“

Unter den 118 Hausärzten seien 35 zwischen 56 und 60 Jahre alt, 18 zwischen 60 und 70. „Aber es gibt Stellschrauben, um der Unterversorgung entgegen zu wirken“, meint die Grünen-Politikerin. Die Gesundheitsämter müssten aus ihrem Schattendasein geholt werden: „Sie sollten alle Gesundheitsanbieter koordinieren und sich um eine nachhaltige Gesundheitsförderung insbesondere an Schulen und Kindergärten kümmern.“

Die Versorgung auf dem Land sei nur über Gesundheitszentren zu erzielen, „und zwar solche, die sich nicht rund um Krankenhäuser konzentrieren.“ Um alle Orte zu erreichen, sei eine Art Gemeindeschwester denkbar, die einfache Therapien anbieten darf, „wir suchen noch nach einem besseren Begriff“, so Schulz-Asche. Sie stelle sich dies als neues Berufsfeld für Krankenschwestern vor. Auch Ärzte auf Rädern könnten die Versorgung verbessern.

Der Kreis stehe vor der Herausforderung, seinen Nahverkehr zu überdenken. Diskutiert werden müsse die Situation der Kliniken. „Ich bin ein Verfechter kommunaler Krankenhäuser - aber Häuser, die für zusätzliche 30 Millionen Defizit im Jahr sorgen, bringen keine Kommune weiter.“

Quelle: HNA

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