Landgericht: Angeklagter muss in Psychiatrie

Krankheit als Ursache für die Tat

Kassel/Borken. „Es gibt Sachen, die kann man nicht erklären“, sagte Vorsitzender Richter Volker Mütze am Dienstag bei der Urteilsverkündung am Kasseler Landgericht. Die 6. Strafkammer ordnete die Unterbringung des 26-Jährigen in der Psychiatrie an. Der Mann aus Borken hatte im April aus heiterem Himmel einen Nachbarn niedergestochen und schwer verletzt. Diese Tat, so Mütze, könne nur mit der psychischen Erkrankung des 26-Jährigen erklärt werden, deshalb sah er keine Alternative zu einer Einweisung in eine Klinik.

An jenem 1. April hatte der Angeklagte mit einem Küchenmesser im Ärmel an der Wohnungstür seines späteren Opfers geklingelt. Mit der Ankündigung, dass es etwas zu besprechen gebe, gingen die beiden in den Keller des Hauses. Dort stach der Angeklagte mehrfach auf den 33-Jährigen ein. Vor Gericht sagte der 26-Jährige, sein Nachbar habe zuvor bei ihm geklingelt und auf ihn eingeschlagen, deshalb habe er ihn zur Rede stellen wollen. Im Keller sei er dann erneut geschlagen worden, aus Notwehr habe er dann zugestochen. Eine solches Geschehen, so der Vorsitzende Richter, existiere jedoch nur in der Vorstellung des Angeklagten, in der Realität gebe es keine Hinweise darauf, denn alle Zeugen hätten etwas anderes berichtet.

Richter Mütze schaute in der Urteilsbegründung auf den Lebensweg des Angeklagten zurück, der „nie richtig Fuß gefasst“ habe. Nach einer normal verlaufenen Kindheit, war bei ihm früh eine psychische Krankheit diagnostiziert worden. Später war der 26-Jährige durch diverse Zechbetrügereien und sein unstetes Leben auf der Straße aufgefallen. Irgendwann unterbrach er die Behandlung seiner Krankheit mit Medikamenten.

Erhebliche Gefahr

Ein Sachverständiger attestierte dem 26-Jährigen während des Prozesses vor dem Landgericht eine paranoide Schizophrenie. Das Gefährliche an dieser Erkrankung ist aus der Sicht des Vorsitzenden Richters, dass „Außenstehende nicht realisieren können, was passiert“. So lange der Angeklagte seine Krankheit nicht im Griff habe und nicht entsprechend behandeln lasse, gehe eine erhebliche Gefahr von ihm aus.

Sein Opfer bei der Tat in Borken könne „froh sein, dass es überlebt hat“. Doch „es hätte auch jeder andere sein können“. Es gebe keinerlei Erklärung dafür, weshalb der Angeklagte gerade diesen Mann ausgesucht hat. Der 33-Jährige hatte als Zeuge vor Gericht ausgesagt, der Angeklagte sei ihm bis zu dieser Begegnung vollkommen unbekannt gewesen.

In einer anderen Welt

Für Richter Mütze ist der Versuch, sich in die Person des Angeklagten hineinzuversetzen zum Scheitern verurteilt, denn der lebe in einer vollkommen irrationalen Welt. Deshalb könne er strafrechtlich für die Tat nicht verantwortlich gemacht werden.

Von Ralf Pasch

Quelle: HNA

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