Kreistag diskutierte Vorschläge, wie Versorgung verbessert werden kann

Es krankt bei den Ärzten

Gute Medizin, wohnortnah: In einem Flächenkreis scheint sich dieser Patientenwunsch nicht mehr immer realisieren zu lassen. Foto: Archiv

Schwalm-Eder. Die hausärztliche Versorgung im Schwalm-Eder-Kreis krankt an verschiedenen Symptomen. Der Kreistag diskutierte am Montag ausgiebig, welche Therapie nötig ist, um wieder mehr Mediziner für die Arbeit auf dem Lande zu gewinnen.

Die FDP setzte sich erneut für eine Wiederbesetzungsprämie für freiwerdende Hausarztstellen ein. Die CDU sprach sich dafür aus, mit der Kassenärztlichen Vereinigung eine Perspektivplanung der hausärztlichen Versorgung zu erarbeiten und zusammen mit anderen Institutionen ein Finanzierungspaket zu entwickeln, das die Ansiedlung von jungen Hausärzten unterstützen soll.

„Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist ein Grund, warum sich Ärzte nicht gerne auf dem Land niederlassen.“

Vizelandrat Winfried Becker

Beide Vorstöße landeten letztlich jedoch im Sozialausschuss, wo sie weiter beraten werden sollen. Christdemokraten und Liberale hatten darauf hingewiesen, dass über 20 Prozent der Hausärzte und hausärztlich tätigen Internisten im Schwalm-Eder-Kreis älter als 60 Jahre sind.

Vielfach sei die Wiederbesetzung der Stellen nicht möglich. Es fehle an entsprechenden Anreizen. Die Höhe der Wiederbesetzungsprämie wollte die FDP im Kreisausschuss regeln lassen.

Sprecher fast aller Fraktionen wiesen darauf hin, dass es alleine mit finanziellen Anreizen nicht gelingen wird, junge Ärzte für eine Dorf-Praxis zu begeistern. Attraktive Freizeitangebote, eine gute Kinderbetreuung und beispielsweise auch ein gute Internet-anbindung seien ebenso wichtige Faktoren, meinte unter anderen Elke Kochler (FWG).

In einer regionalen Gesundheitskonferenz könnten Lösungen entwickelt werden, schlug Rudolf Amert (CDU) vor. Bürgschaften zur Finanzierung von Ärztehäusern und die Ausstattung von Praxen könnten hilfreich sein, auch über die Ausweitung des Belegarztsystems und den Einsatz ausgebildeter Krankenschwestern zur Unterstützung bei Hausbesuchen sollte nachgedacht werden.

„Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist ein Grund, warum sich Ärzte nicht gerne auf dem land niederlassen“, sagte Vizelandrat Winfried Becker. Hier müsse es dringend eine Veränderung geben. Eine Kopfprämie für Ärzte sei jedenfalls keine Lösung.

„Es gibt keinen Ärztemangel, sondern ein Verteilungsproblem“, fasste Nils Weigand zusammen. Während in den Ballungszentren genügend Mediziner vorhanden seien, habe beispielsweise Ottrau seit Jahren keinen Hausarzt mehr. Weigand: „Die Wiederbesetzungsprämie zielt nicht darauf ab, Millionäre zu unterstützen.“

Diese Ausgaben könne sich der Landkreis nicht leisten, entgegnete Dr. Edgar Franke (SPD). „Ein Allgemeinmediziner verdient 165 000 Euro und ein Facharzt 230 000 Euro vor Steuern, und sie wollen ein Ärzte-Beglückungsprogramm auflegen“, sagte er. Das Geld aus den überversorgten Ballungszentren müsse vielmehr in die unterversorgten Gebiete geleitet werden.

Eine Niederlassungsprämie lehnten auch die Grünen ab. In anderen Bundesländern würden bis zu 50 000 Euro gezahlt. Das könne sich der Landkreis nicht leisten, sagte ihre Sprecherin Margitta Braun. Alle Akteure des Gesundheitssystems müssten für eine Gesundheitskonferenz zusammengebracht werden. Eine gute Infrastruktur sei nötig, damit das Leben auf dem Land für Ärzte attraktiv sei.

Klar wurde auch: Die Einflussmöglichkeiten sind gering. „Ärzteversorgung fällt in die Selbsverwaltung der Kassenärztlichen Vereinigung“, sagte Winfried Becker.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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