Kunstbetrachtung: Konrad Nachtwey sprach im Museum über „Kinder in der Kunst“

Kreative Unschuld fasziniert

Betrachtung und Diskurs: Museumsleiter Konrad Nachtwey erläuterte am Donnerstag die Darstellung von Kindern in der Kunst. Foto: Rose

Ziegenhain. Ein ungewöhnliches Thema beleuchtete Konrad Nachtwey am Donnerstag bei der letzten Kunstbetrachtung des Jahres im Museum der Schwalm: Kinder in der Kunst. Dabei erklärte er, dass die Darstellung von Kindern sehr unterschiedlich sei, auch variantenreich. Im alten Ägypten wurde etwa das höchste Verbrechen – die Kindstötung – in dem Relief „Nofretetes Töchter“ festgehalten. Ein Fresko aus der Zeit um 20 nach Christus zeige deutlich, dass Maria der Schlüssel für Bilder von christlichen Darstellungen sei. „Das wurde in der Antike übernommen“, verdeutlichte der Kunsthistoriker.

Auch Posen seien aus christlichen Bildern in zivile Werke transportiert worden. Dabei falle die Darstellung von Kindern nicht immer deutlich aus: Vielmehr sehe man Figuren, Amoretten, Putten oder Engel. Sie alle seien so genannte Allegoriesymbole – Sprachbilder, bei dem abstrakte Begriffe und Gedanken sinnbildlich dargestellt werden. Was die Darstellungen eine, sei das Reine, die kreative Unschuld, die Hilflosigkeit. „Das fasziniert die Menschen.“ In der Kunst seien die Kinder zunächst nie als Kinder zu erkennen gewesen: „Es waren kleine Erwachsene“, erklärte Nachtwey. Erst ab dem 18. Jahrhundert habe die Kindheit als eigener Lebensabschnitt gegolten. Bei einer Darstellung von David eines Kindes mit einem Kirschzweig ging der Kunsthistoriker auf die Ikonografie ein: „Kirschen sind der Hinweis auf die Passion.“

Gängig sei die Darstellung der Künste, die häufig von Putten übernommen worden sei. In der Arenakapelle in Padua könne man sehen, dass Kinder ein Teil der Gesellschaft waren – deutlich in der Szene „Einzug in Jerusalem“. „Die Typen sehen alle gleich aus. Die einen mit, die anderen ohne Bart“, sagte Nachtwey.

Raffael habe hingegen zu den Malern gehört, die religiöse Themen in familiärer Umgebung und in Landschaften verarbeitete. Bilder mit Vorhang nähmen einen besonderen Status ein: „Ein Vorhang teilt etwas ab, hat etwas Beschützendes und Verbergendes.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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