Kinderschutz zeigt Wirkung: 98 Prozent gehen zum Arzt

Kreis kritisiert Gesetz zur Pflichtvorsorge

Wolfhager Land. Seit einigen Jahren sind sie Pflicht, die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder. Nach Auskunft des Hessischen Sozialministeriums zeigt das Kinderschutzgesetz inzwischen Wirkung.

„Mit diesem Instrument ist es gelungen, sowohl gefährdete Kinder festzustellen, als auch die Teilnahme an den Untersuchungen auf 98 Prozent der hessischen Kinder zu steigern“, erklärte in diesen Tagen Staatssekretärin Petra Müller-Kleppe.

Diese hohe Prozentzahl kann Kinderarzt Dr. Harald Becker für das Wolfhager Land bestätigen. Allerdings habe sich auch vor dem Gesetz schon eine hohe Akzeptanz für die Vorsorgeuntersuchungen gezeigt. Im ländlichen Raum gebe es dabei traditionell weniger Probleme. Außerdem existiere in seiner Praxis seit Jahren ein Erinnerungssystem, bei dem die Eltern auf fällige Vorsorgeuntersuchungen hingewiesen würden.

Die positive Wirkung des Gesetzes sieht der Kinderarzt dennoch darin, dass den Eltern klar gemacht werde, wie wichtig die Untersuchung für ihr Kind sei. Die Schreiben an Säumige seien so unmissverständlich abgefasst, dass die Eltern eiligst in der Praxis erschienen.

Beim Jugendamt des Landkreises Kassel sieht man das Gesetz dagegen kritisch. „Bei uns wurde durch die Pflichtvorsorge nicht ein einziger Fall von Kindesmisshandlung aufgedeckt“, so Landkreissprecher Harald Kühlborn. Auch in Hessen sei die Trefferquote minimal. Die verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen wären nicht effektiv, im Gegensatz zu anderen Kinderschutzmaßnahmen im Kreis. Mit einer lokalen Vernetzung aller, die mit Kindern zu tun hätten, erziele man mehr Erfolg.

„Jetzt beschäftigen wir eine Mitarbeiterin zehn Wochenstunden mit einem Datenwust“, so Kühlborn. Zudem würden immer wieder durch Übermittlungsfehler Eltern gemahnt, die mit ihrem Kind längst beim Arzt waren.

Quelle: HNA

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