Unbegleitete Jugendliche genießen einen besonderen Schutz

Kreis nahm mehr als 20 junge Flüchtlinge auf

Schwalm-Eder. Der Schwalm-Eder-Kreis hat in diesem Jahr mehr als 20 minderjährige Flüchtlinge aufgenommen, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen sind. Diese Jugendlichen genießen nach der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen besonderen Schutz.

Unter anderem bietet das Fritzlarer Kinderheim Haus Sonnenschein, das von der Caritas betrieben wird, solchen Jugendlichen Unterkunft. Hessenweit kommen jährlich fast 600 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge an, häufig über den Frankfurter Flughafen. Die meisten von ihnen kommen in Frankfurt und Gießen unter. Im jüngsten Fall wurden zwei junge Afghanen am Bahnhof Wilhelmshöhe von der Bundespolizei aus dem Zug geholt.

Das Jugendamt Kassel nahm sie, wie es im Amtsdeutsch heißt, in Obhut und suchte nach einem Platz für die 15- und 14-jährigen Jungen. Da die Einrichtung in Kassel voll war, wurde in Fritzlar angefragt.

Die Flüchtlinge waren zwei Monate unterwegs, schätzt Paul Hillenbrand, Bereichsleiter im Haus Sonnenschein. Sie kamen über die Türkei, Italien und Frankreich nach Deutschland. Eigentlich hätten sie nach Skandinavien weiterreisen wollen, doch nun sind sie in Fritzlar gelandet.

„Sie sind nur mit dem gekommen, was sie auf dem Leib hatten“, sagt Hillenbrand über den ersten Eindruck. Nun leben sie in einer Außenwohngruppe, gemeinsam mit anderen Flüchtlingskindern.

Kommuniziert wurde anfangs mit Händen und Füßen, wie Sonnenschein-Leiter Dieter Kumpe sagt. Inzwischen besuchen die Jungen täglich einen Deutschkurs in Kassel. Viele der Flüchtlinge seien gut integriert, unter anderem in Sportvereinen, sagt Kumpe.

Die jungen Leute seien meist sehr wissbegierig und wollten schnell Fuß fassen, hat Kumpe festgestellt. Das verbessere ihre Chancen, auch als Erwachsene bleiben zu dürfen.

Geschützt durch UN-Konvention

Flüchtlinge unter 18 Jahren fallen unter den Schutz der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. Unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht haben sie die selben Rechte wie Deutsche nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz. Wenn minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge auffallen, werden sie von dem Jugendamt betreut, in dessen Bereich sie sich zu diesem Zeitpunkt aufhalten. In Hessen ist das wegen des Flughafens häufig Frankfurt. Die meisten dieser Jugendlichen werden dann in Einrichtungen in Frankfurt und Gießen untergebracht. Unter anderem muss geklärt werden, ob ein Asylverfahren eingeleitet wird.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

Kommentare