Windkraft - andere Auffassung als Ortsverband

Windkraft: Kreisgrüne gehen auf Distanz

Wolfhagen. Zwischen dem Kreisverband der Bündnisgrünen und den Grünen in Wolfhagen knirscht es. Bei der Debatte um den geplanten Windkraftstandort am Rödeser Berg sprechen sich die Kreisgrünen für die Anlagen aus, die Wolfhager lehnen diesen ab, weil sie generell gegen Windkraft im Wald sind.

Der Kreisverband ist der Auffassung, „dass man angesichts des weltweiten Energiebedarfs gar keine andere Wahl hat, als schnellstens auf erneuerbare Energien umzustellen“. In einer Erklärung heißt es weiter: Eine der Konsequenzen sei, dass „jeder, aber auch jeder sinnvolle und geeignete Windkraftstandort genutzt“ werden müsse. „Man mag das störend oder unästhetisch finden, aber im Vergleich zum drohenden Klimawandel seien diese Argumente nicht wirklich schwerwiegend“.

Steffi Weinert

Steffi Weinert, Spitzenkandidatin der Grünen für den Kreistag, betont: „Man kann geeignete Standorte nicht mit dem Argument ‘Repowering am Standort A macht neue Anlagen am Standort B überflüssig‘ ablehnen.“ Zu den Aussagen des Wolfhager Ortsverbandes, „der den Untergang des Waldes unterstellt“, sei festzuhalten, dass „der Rödeser Berg ein vorgeschädigter Standort mit Windbrucharealen und ein Wirtschaftswald ist“, heißt es weiter. Dieser Wald werde „irgendwann geerntet, „ob da nun Windkraft-Anlagen stehen oder nicht“.

Ausbau der Windenergie

Die Grünen im Landkreis Kassel stehen mehrheitlich zu der Forderung nach dem Ausbau der Windenergienutzung auch an diesem Standort zwischen Nothfelden und Niederelsungen. „Eine Mehrheit der Wolfhager Grünen im Umkreis des Standortes mag das aus persönlicher Betroffenheit anders sehen. Mit dem Schutz der Wälder hat das jedoch herzlich wenig zu tun. Letztlich hat der Bürger am 27. März darüber zu befinden,“ betont Weinert: „Angesichts der weltweit drohenden Klimakatastrophe muss ich ästhetische Einschränkungen auch vor meinem Wohnzimmerfenster hinnehmen.“

Jede Kommune müsse dazu beitragen, die Energieversorgung sicherzustellen. Wenn man dabei die Eingriffe für Mensch und Natur gering halten wolle, geht das nur „an den ertragreichsten Standorten wie zum Beispiel dem Rödeser Berg. Ein naturschutzfachliches Gutachten kommt zu dem Schluss, dass dort eine Errichtung möglich ist,“ sagt Kreisvorstand Thomas Ackermann.

"Mangelnde Ortskenntnisse"

„Wir stimmen mit den Kreisgrünen überein, dass jeder sinnvolle und geeignete Standort für Windkraft genutzt werden soll, sind aber gleichzeitig zusammen mit Oberer Naturschutzbehörde, Vogelschutzwarte und Nabu der Meinung, dass genau dies auf den Standort Rödeser Berg nicht zutrifft.“ Das erklärt die Sprecherin der Wolfhager Grünen, Martina Dittmar.

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Dass die Kreisgrünen den Rödeser Berg als vorgeschädigt bezeichnen, „mag an mangelnder Ortskenntnis liegen, denn bis auf eine Anlage sollen alle Windräder im intakten Wald errichtet werden“, heißt es weiter. Das Argument, der Wald werde sowieso irgendwann geerntet, „irritiert uns, denn wir verfolgen auch im Naturschutz den Nachhaltigkeitsgedanken“.

Die Forderungen der Wolfhager Grünen nach „unabhängigen Gutachtern, Veröffentlichung der Ergebnisse und Bürgerbeteiligung bei der Entscheidungsfindung“ seien Grundthesen der Grünen, „die wir mit großer Ernsthaftigkeit vertreten und die auf bundesweiten Beschlüssen wie dem Grünen Naturschutzmanifest beruhen“.

Kommentar: Schuss vor den Bug

Die Wolfhager Grünen stecken an einer wichtigen Stelle im Dilemma - und das hat einen Namen: Rödeser Berg. Beim Dauerthema stellt sich der Kreisverband der Grünen gegen den eigenen Ortsverband in Wolfhagen - und das nicht zum ersten Mal. Nun aber, in der heißen Phase des Wahlkampfes, nehmen die Kreisgrünen so deutlich wie nie zuvor zur Windkraft am Berg Stellung - pro Windkraft. Das ist für die Wolfhager Grünen ein Schuss vor den Bug.

Axel Welch

Unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse in Japan gewinnt die Debatte um alternative Energien rasant an Fahrt. Und das bringt die Wolfhager Grünen plötzlich in die Bredouille. Für viele Menschen wird jetzt ganz besonders die Abhängigkeit und die Gefahr von Atomkraft sichtbar. Die Bereitschaft, auch in der eigenen Heimat einen Weg aus dieser Fesselung zu gehen, sprich regenerative Energien zu forcieren, wird mit Japan größer.

Das wird der Akzeptanz für das Ziel der Wolfhager Grünen, den Rödeser Berg als Windkraftstandort zu verhindern, nicht dienlich sein. Zumal der Kreisverband der Grünen beim Rödeser Berg ganz offen von einem vorgeschädigten Standort mit Windbrucharealen spricht, der ohnehin „irgendwann geerntet“ werde. Rückenwind für die Wolfhager Grünen fühlt sich anders an.

Von Axel Welch (awe@hna.de)

Quelle: HNA

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