Ziel ist ein robuster, zukunftsfähiger Wald

Kreisjagdverein geht auf Distanz zu Klimwald-Projekt

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Von Wald umgeben: In Naumburg gilt der städtische Forst als grüne Sparkasse. Während der Kreisjagdverein aus dem Klimwald ausgestiegen ist, beteiligen sich die vier Jagdreviere der Hegegemeinschaft Naumburg weiter am Projekt Klimwald. 

Wolfhager Land. Einen robusten, auf die Klimaveränderungen eingestellten Wald in der Region, das ist das Ziel des Projektes Klimwald. Getragen wird es von der Uni Kassel, Hessen-Forst, der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt und den Kommunen Naumburg, Zierenberg, Wolfhagen und Calden.

Die Jägerschaft, die ebenfalls ein starkes Interesse an einem gesunden Wald hat, sieht dieses seit einem Jahr laufende Projekt kritisch. Die Vorbehalte gipfelten nun darin, dass der Kreisjagdverein Wolfhagen (KJV) aus dem Projekt ausgestiegen ist und mit ihm die Rotwild-Hegegemeinschaft Wattenberg-Weidelsburg. In der Folge ist auch der Landesjagdverband Hessen auf Distanz gegangen. Klaus Lötzerich, stellvertretender Vorsitzender des Kreisjagdvereins Wolfhagen, spart in der Begründung für den Rückzug nicht mit Kritik, die sich allerdings, wie er einräumt, im wesentlichen auf Indizien stützt.

Zum Schädling degradiert

Man habe den Eindruck, dass grundlegende Forderungen und Lösungen bereits im Vorfeld des Modellprojektes feststanden und durch Ergebnisse untermauert werden sollten. Zu den Schlussfolgerungen des KJV gehören im Bereich des Wildtiermanagements, dass Klimwald für eine „extreme Reduzierung der Schalenwildbestände“ mit Ausnahme des Schwarzwildes stehe, weil davon ausgegangen werde, dass nur so der fehlerfreie Aufwuchs von Edelbaum-arten möglich sei. Schalenwild mit Ausnahme des Schwarzwildes „wird zum Schädling herabgewürdigt“. Der KJV ist der Ansicht, dass in den Augen der Forscher Schwarzwild als förderlich für die Wildflora gilt und – ungeachtet der Schäden im Feld – im Wald eher schwach zu bejagen sei. Wenn das so realisiert würde, hätte das eine starke Reduzierung von Reh- und Rotwild im Wald und auch im Feld zur Folge. Dagegen würde die Population des Schwarzwildes auch im Feld weiter ansteigen. Damit wären die Jagdbezirke der Gemeinschaften der Grundeigentümer kaum mehr verpachtbar.

Nach geltendem Recht müssten Berufsjäger mit der Bejagung des Schwarzwildes beauftragt werden. Die Folge, laut KJV: „Vom Jagdrecht als Eigentumsrecht bliebe am Ende nur mehr eine, meist finanzielle, Verpflichtung übrig.“

Klimwald-Koordinator Dr. Christian Henschke, wies für die Steuerungsgruppe den Vorwurf zurück, dass grundlegende Forderungen von Klimwald vorab festgestanden hätten. Klimwald knüpfe an bestehende Problemlagen an und schaffe Wissensgrundlagen, um gemeinsam mit Schlüsselakteuren – zu denen auch die Jäger zählen – ergebnisoffen tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Das Projekt sei daher auch nicht jagdfeindlich. Henschke: „Es ist unser ausdrückliches Anliegen, die Jägerschaft an dem Arbeitsprozess zu beteiligen.“

Der Klimwald-Koordinator betonte: „Rot- und Rehwild wurden und werden nicht als Schädlinge gesehen.“ Die Unterstellung eines Zusammenhangs zwischen Klimwald und einer Jagdrechtreform sei konstruiert und entbehre jeder Grundlage.  

Quelle: HNA

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