Kreissynode befasste sich mit Zukunftspapier der Landessynode

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Gute Verbindung von Kirche und Tourismus: Die Killianskapelle in Büchenwerra liegt am Radweg R1.

Melsungen. Eins ist klar. "Die Kirche soll im Dorf bleiben", wie es der Spangenberger Pfarrer Dr. Volker Mantey vor der Melsunger Kreissynode formulierte. Wie sie im Dorf bleibt angesichts des enormen Sparzwangs und sinkender Mitgliederzahl, darüber wurde lange referiert und diskutiert.

 Werden im Notfall auch Kirchen verkauft? Da werde es kein Schema geben. Das sei der letzte Ausweg, sagte Mantey. Die Radfahrerkapelle in Büchenwerra sei ein Beispiel dafür, wie man kirchliche Gebäude auch für den Tourismus nutze. Auch den Ars Natura könnten Kirchengemeinden zu ihrem Thema machen.

Dr. Mantey ist Vorsitzender des Zukunftsausschusses der Landessynode. Der Kreissynode stellte er das Zukunftskonzept vor. Das sei ein revolutionäres Papier, meinte Ruthild von Dörnberg, Präses der Kreissynode: "Alle müssen mitgenommen werden. Ein vielversprechender Weg wird eingeschlagen."

"Wir wollen Volkskirche bleiben, wir wollen keine Vereinskirche sein", sagte Dr. Mantey. Man brauche eine Flexibilisierung der Strukturen. Nicht jeden Sonntag müsse in jeder Kirche ein Gottesdienst stattfinden. Gute Beispiele mit zunehmenden Besucherzahlen gebe es im Raum Spangenberg. Man müsse zum Beispiel auch klären, was sollen Pfarrer machen, was sollen sie künftig nicht mehr machen. "Wenn wir Kirche sein wollen, die nah beim Menschen ist, brauchen wir eigentlich mehr Personal", meinte ein Synodaler. In dem Zukunftspapier heißt es, die Kirche von Kurhessen-Waldeck sei eine Kirche "nahe bei den Menschen". Deshalb werde ein flächendeckendes Netz pfarramtlicher Versorgung erhalten, das im Jahr 2026 mindestens 400 Gemeindepfarrstellen "und mindestens 150 funktionale Pfarrstellen umfasst". Derzeit sind es insgesamt rund 900 Pfarrstellen. Funktionale Pfarrstellen sind übergemeindliche Stellen.

Im Gemeindepfarramt müsse es eine deutliche Entlastung geben, sagte Mantey. Komplizierte Formulare und das Buchen von kleinen Kollektenbeträgen seien Beispiele. "Orientiert an der grundlegenden Funktion der öffentlichen Kommunikation des Evangeliums werden die Aufgaben des Gemeindepfarrers kritisch überprüft", hat der Zukunftsauschuss formuliert.

Das Gewinnen von Ehrenamtlichen, ihre Aus- und Fortbildung und ihre fachliche und seelsorgerliche Begleitung werde verbindlicher Inhalt der Pfarrerausbildung. Beim Personal können ab 2026 jährlich 22,7 Millionen Euro eingespart werden, hieß es. Greifen die Beschlüsse der Landessynode, können ab 2026 pro Jahr insgesamt 30 Millionen Euro eingespart werden.

Ein Problem ist auch die zurückgehende Kirchensteuer. Die Kirche verliert Mitglieder. Laut Zukunftsausschuss verringert sich die Zahl der Gemeindeglieder in der Landeskirche durch den demographischen Wandel von derzeit 895 185 auf 735 648 im Jahr 2026. Dr. Mantey sprach vor der Synode von der "fehlenden nachwachsenden jüngeren Generation".

Quelle: HNA

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