Kreuzweg in Bildern

Abbildungen an der Stadtkirche Treysa dienen als Andachtsübung

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Die Stadtkirche in Treysa.

Treysa. Den Leidensweg Jesu zeichnen Kreuzwege nach: Sie erzählen in Abbildungen vom Leid Jesu, von Begegnungen, vom Verrat und der Kreuzigung. Der nachgebildete Wallfahrtsweg dient Gläubigen als eine Art Andachtsübung. Auch in Treysa finden sich diese Stationen, und zwar an den äußerlichen Pfeilern der Stadtkirche.

Zu sehen sind vier - ursprünglich waren es fünf - Reliefs an den so genannten Strebepfeilern. "Dabei handelt es sich um Abgüsse von Modeln aus gebranntem Ton, nicht um behauenen Stein", erläutert Pfarrer Harmut Wagner.

Das Schweißtuch der Veronika. Foto: Rose

Wenig sei über die Darstellung bekannt: Der "Kunsthistorische Wanderführer Hessen" aus dem Jahre 1984 vermutet, dass die Reliefs von Ludwig Juppe stammen - einem Bildhauer der Gotik (1460 bis 1538), der besonders in Marburg gewirkt hat. "Nach einer älteren Broschüre sind die Stationsbilder der Stadtkirche identisch mit solchen von der Elisabethkirche, die heute im Universitätsmuseum zu sehen sind", erklärt Wagner. Sicher sei, dass die Abbildungen nicht aus der Bauzeit der Kirche stammten. Die Kreuzwegstationen seien etwa im 15. Jahrhundert aufgekommen, verbreitet durch die Franziskaner. Die Dominikaner - an der Stelle der Stadtkirche stand einst ein Kloster - griffen diese Idee auf.

In Jerusalem hielt man beim Kreuzweg ursprünglich nur an zwei Stationen inne - der Verurteilung beim Haus des Pilatus und der Kreuzigung bei Golgota. Nach und nach entstanden weitere Stationen, an denen der biblischen und durch die Tradition überlieferten Stationen Jesu auf diesem Weg gedacht wurde. Unter dem Einfluss der Passionsmystik, der Verknüpfung der sieben Tagzeiten des Stundengebets der Kirche mit Stationen der Passion Jesu und den sieben römischen Stationskirchen wurde der Kreuzweg im deutschen Sprachraum ebenfalls in sieben Stationen unterteilt.

Seit der Zeit um 1600 wurden Kreuzwege mit vierzehn bebilderten Stationen errichtet. Sie zeigten den Weg Jesu von der Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zur Kreuzigung und Grablegung. In Treysa gab es ursprünglich fünf Bilder. Über den Verbleib einer Abbildung ist nichts bekannt - das Fenster ist leer. Ähnliche Reliefs gab es im Mittelalter mehrfach am Außenbau oberhessischer Kirchen, unter anderem an der Elisabethkirche in Marburg, der Pfarrkirche in Homberg und in Stausebach.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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