Larissa Maystrowa aus der Ostukraine war Austauschlehrerin an der Melanchthon-Schule

Vom Krieg ins Steinatal

Vis à‘ vis mit Melanchthon, Schülern und Lehrern im Steinatal: Larissa Maystrowa aus der Ostukraine hat ihre Zeit als Austauschlehrerin in der Schwalm genossen. Foto: Diehl

STEINATAL. Sie spricht fließend deutsch, obwohl sie erst wenige Male im Ausland war. Und sie strahlt eine Ruhe aus, die so ganz im Kontrast dessen steht, was sie berichtet. Larissa Maystrowa aus dem Bürgerkriegsgebiet der Ostukraine besuchte als Austauschlehrerin für drei Wochen die Melanchthon-Schule und hat die Ruhe im Steinatal genossen.

Die Deutsch- und Englischlehrerin kommt aus dem ostukrainischen Donezk, das seit der Ukraine-Krise von prorussischen und proukrainischen Symphatisanten umkämpft wird und mittlerweile zur selbsternannten Volksrepublik Donezk gehört. Noch immer fielen Schüsse, ständig lebe sie in Angst. Sie unterrichtet an einer Schule mit vertieftem Fremdsprachenunterricht. Ab der ersten Klasse lernen die Schüler Deutsch. Von den einst 700 Schülern sind noch 300 geblieben.

Schüsse auf ihr Haus

„Ich hätte nie gedacht, dass so etwas passiert“, sagt sie über den Bürgerkrieg in ihrer Heimatstadt. Zwei Mal sei ihre Schule im vergangenen Jahr zerstört worden, das deutsche Konsulat habe den Wiederaufbau unterstützt. Auch auf ihr Haus fielen Schüsse. Um in der Ukraine reisen zu könne, brauche sie einen Reisepass, auch die schulischen Abschüsse seien in der übrigen Ukraine nicht mehr anerkannt.

„Ich bin Ukrainerin“, sagt sie, obwohl sie russisch spricht. Sie möchte, dass die Grenzen um das Donezker Gebiet verschwinden, damit sie ohne stundenlanges Warten an der Grenze ihre Verwandten und Freunden in der Westukraine und ihre Eltern in Russland besuchen kann.

Die Millionenstadt Donezk hatte bis vergangenes Jahr einen eigenen Flughafen, doch der ist zerstört. Auch der öffentliche Bus- und Bahnverkehr funktioniert nicht mehr. Um zum Flughafen nach Kiew zu kommen, musste Larissa Maystrowa einen privaten Kleinbus anheuern. Zwei Tage hat sie für die Fahrt in die Hauptstadt der Ukraine gebraucht, unter normalen Umständen hätte sie binnen weniger Stunden ankommen müssen. Aber normal ist in und um das Donezker Gebiet nichts. Viele Häuser und Wohnungen sind dem Erdboden gleich, Arbeitsplätze vernichtet. „Ohne die Unterstützung Russlands wären wir nicht überlebensfähig.“

Für Schulleiter Claus-Hartwig Otto war Larissa Maystrowa, die über den Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz an die Melanchthon-Schule gekommen ist, „eine Wundertüte“ – bis zwei Tage vor ihrer Ankunft habe er sie nicht erreichen können. „Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass man aus dem Bürgerkriegsgebiet herauskommt.“

Larissa Maystrowa, Mutter einer 16-Jährigen Tochter, haben im Steinatal vor allem die Angebote wie Darstellendes Spiel gefallen: „Auch im Rollenspiel kann man besser Fremdsprachen lernen“, so die 40-Jährige. Neben all diesen neuen Eindrücken und den vielen netten Begegnungen mit Lehrern und Schülern nimmt sie vor allem einen Wunsch mit nach Hause: „Frieden, baldigen Frieden“.

Von Kerstin Diehl

Quelle: HNA

Kommentare