Singt bei "Rock am Stück"

Rocksängerin Doro Pesch spricht im HNA-Interview über das Konzert

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1,54 Meter groß, 50 Jahre alt, 30 Jahre auf der Bühne: Doro Pesch wird auch „Queen of Metal“ (Königin des Metal) genannt. Sie wird der Anziehungspunkt beim Festival„“Rock am Stück“ in Geismar sein.

Geismar. Doro Pesch, die alle nur Doro nennen, ist der Star beim Geismarer Festival „Rock am Stück". Wir sprachen mit ihr über ihre 30 Jahre währende Karriere als Metal-Sängerin, Little Richard und große Konzerte in kleinen Dörfern.

In Ihrem aktuellen Album „Raise your Fist“ ist viel vom Kämpfen die Rede. Sind Sie eine Kriegerin? 

Doro: Total. Ich würde sagen: Kriegerin des Guten. So wie Paulo Coelho von „Kriegerin des Lichts“ spricht. Der Titelsong „Raise your Fist“ hat die positive Message, dass man nicht einfach da sitzen und nichts tun soll, sondern aufstehen soll und kämpfen: Let’s fight the good fight!

Sind Sie also gar nicht böse, wie man es ja der Metalszene unterstellt? 

Doro: Das war in den 80ern vielleicht so, da hat man im Metal sehr viel mystische Sachen gemacht. Aber seit ungefähr 20 Jahren möchte ich viel eher etwas Gutes bewegen. Es ist übrigens viel schwieriger, Songtexte zu schreiben, die sich dem Positiven widmen. Das geht nicht so leicht von der Hand wie destruktive Sachen zu schreiben. Wenn man jung ist, findet man das reizvoll. Wahrscheinlich möchte man gerne gegen alles rebellieren. Das hat sich bei mir aber ziemlich schnell gelegt. 

Sie waren in den 80er-Jahren eine der ganz wenigen Frauen in Metal- und Hardrock. Daran hat sich bis heute wenig verändert. Woran liegt das? 

Doro: Das kann ich gar nicht beantworten, denn für mich ist es das Schönste auf der Welt. Ich liebe Rock und Metal, und wenn man einmal Blut geleckt hat, bleibt man auch dabei. Bei den Fans waren es übrigen früher so 90 Prozent Jungens und zehn Prozent Frauen, und jetzt ist es fast fifty-fifty. Es gibt auch sehr tolle Sängerinnen, es ist aber noch nicht ausbalanciert.

Aber für Sie stand das Berufsziel schon früh fest? 

Doro: Ich wollte Sängerin werden, seitdem ich drei Jahre alt war. Ich mochte schon damals die rockigen Sachen. Metal gab es ja noch nicht, aber zum Beispiel Glam Rock. Ein Schlüsselerlebnis war für mich „Lucille“ von Little Richard, der hatte so viel Power und Energie. Das wollte ich auch machen. Und ich hatte schon immer eine laute Stimme, die Leute dachten, ich würde Opernsängerin werden.

Sie sind, das darf man erwähnen, gerade 50 Jahre alt geworden. Wie lange werden Sie noch als „Königin des Metal“ regieren? 

Doro:  Ich möchte weitermachen, so lang der liebe Gott will. Wir feiern gerade 30 Jahre auf der Bühne, unter anderem mit einer DVD. Ich hoffe auf nochmal 30 Jahre. Wenn ich mir etwa Ozzy Osbourne oder Lemmy Kilmister angucke, muss man sagen: Im Rock und Metal spielt das Alter nicht so eine große Rolle wie im Pop. Ich selbst bin jetzt, glaube ich, fitter als zum Beginn meiner Karriere. Ich halte mich mit Wing-Chun fit, eine Art Karate. Wenn ich auf der Bühne stehe, spüre ich keinen Schmerz, sondern nur pure Energie. 

Bei uns treten Sie in Geismar, einem kleinen Dorf, auf. Ist das nicht ganz anders als etwa ein Konzert in einem Stadion? 

Doro: Ich finde das toll. Die Veranstalter legen so viel Herzblut und Seele rein. Ich bin jetzt schon total begeistert und weiß, das wird eines der schönsten Konzerte. Ich bin auch gewöhnt, auf dem Dorf zu spielen. Wenn man mal auf Wacken schielt: Das ist ja das kleinste Dorf, das man sich vorstellen kann, aber für jeden in der Rockwelt ist es der größte Traum, einmal in dieses Dorf zu kommen.

Eines Ihrer Lieder wurde als Hymne für Borussia Dortmund umgetextet. Sitzen Sie zur Fußball-WM viel vor dem Fernseher? 

Doro:  Ich gucke jedes Spiel, so weit es möglich ist. Ich lebe ja seit 1987 halb in New York und war ganz traurig, als die Amis rausgeflogen sind. Wir waren vor kurzem in Südamerika. Da sind die Menschen so leidenschaftlich: Ich freue ich immer, wenn eine südamerikanisches Mannschaft gewinnt. Ich liebe übrigens auch Frauenfußball. Der ist ja in Amerika ganz groß und wird auch nicht so belächelt.

Von Olaf Dellit 

Das Festival: Rock am Stück

Das Rockfestival am Lohrberg in Fritzlar-Geismar geht am Samstag, 19. Juli, über die Bühne. Einlass ist ab 15 Uhr, Beginn gegen 15.15 Uhr. Neben Doro stehen Reached, Nulldb, Last Jeton, Tonloch, die Busrockers und die Steven-Stealer-Band auf der Bühne, dazu DJ Elbe Beats. Vorverkauf: 22 Euro (Tageskasse 29 Euro): HNA-Geschäftsstellen sowie in Fritzlar Mazda-Autohaus Sauer, Westfalen-Tankstellen, Uschis Wollstube, und Getränke Hebeler in Geismar und hier.

Der Nordhessische Verkehrsverbund NVV wird eine Haltestelle am Festivalgelände einrichten. Dafür gibt es eine unverbindliche Registrierung hier.

Zur Person:

Dorothee - genannt Doro - Pesch ist am 3. Juni 50 Jahre alt geworden. Sie schloss eine Grafikdesign-Ausbildung ab und spielte seit dern 80er-Jahren in Heavy-Metal-Bands.

Den Durchbruch schaffte Doro mit der Band Warlock, deren Leadsängerin sie war. 1988 zerfiel die Gruppe, Doro machte solo mit einer Band weiter. Sie gibt weltweit Konzerte, war unter anderem gerade in Südamerika und plant Auftritte in Kanada und Nordamerika. Doro stand mit den Größen der Szene gemeinsam auf der Bühne, darunter Lemmy Kilmister (Motörhead) und Klaus Meine (Scorpions). Mehr von Doro gibt es hier.

Quelle: HNA

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