Seit 25 Jahren werden in der JVA Ziegenhain Köche ausgebildet – Festmahl im Rittersaal

Krimidiner zum Jubiläum

Gaben sich viel Mühe beim Anrichten: von links Häftling Angelo T. mit Chefkoch und Ausbilder Gerd Conradi und Häftling Klaus K. Fotos: Thöne

Ziegenhain. Ganz vorsichtig legt Klaus K. eine orangefarbene Blüte auf den Camembert. Wachsam schaut Chefkoch Gerd Conradi über die Teller und überprüft, ob auch alles so angerichtet ist, wie es sein soll.

„Ihr müsst noch ein bisschen sauberer arbeiten“, ermahnt er die beiden Häftlinge Klaus K. und Angelo T. Zum 25-jährigen Bestehen der Umschulung zum Koch in der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt sollte alles perfekt sein.

Der Rittersaal der JVA war festlich dekoriert. Auf den in weiß eingedeckten Tischen standen silberne Kerzenleuchter. Passend zur Umgebung wurde den Gästen ein „Verbrechen in vier Gängen“ serviert.

Das Menü hat sich Küchenchef Conradi ausgedacht. „Die Ausrichtung des Festmahls war schon eine Riesenherausforderung“, sagte der 42-Jährige.

Zwei Tage vor dem Festmahl haben er und seine 14 Auszubildenden mit den Vorbereitungen begonnen. Sieben Stunden am Tag stehen sie zusammen in der Küche. „Ich verbringe mehr Zeit mit den Häftlingen, als mit meiner Frau“, sagte Conradi und lacht. Er habe viel Freude daran, den schweren Jungs das Kochen beizubringen. „Ich versuche, bei ihnen die Liebe zum Beruf rauszukitzeln“, so Conradi. Seit 27 Jahren steht er am Herd.

Häftling Klaus K. ist im zweiten Ausbildungsjahr. „Der Beruf Koch ist ein Knochenjob“, erzählte er. Trotzdem mache ihm die Ausbildung Spaß.

Während die zwei Insassen zusammen mit Conradi in einem Nebenzimmer das „Amuse bouche“ (franz. Mundfreude) anrichteten, lobte Ruth Schröder vom hessischen Justizministerium im Rittersaal die Küche der Haftanstalt. „Bis hin zum Service ist hier alles perfekt“, sagte sie.

Gestartet mit zwölf Azubis

Im September 1988 ist die Lehrküche mit zwölf Ausbildungsplätzen eröffnet worden. Im Frühjahr 1999 wurde die Ausbildungskapazität auf 16 Plätze erhöht. Insgesamt 222 Gefangene haben im Laufe der Jahre an der Maßnahme teilgenommen.

Wilfried Porada, im Gefängnis zuständig für die Aus- und Weiterbildung, betonte, dass die qualifizierte Ausbildung in der Haftanstalt eine gute Voraussetzung für die Integration in den Arbeitsmarkt darstelle. Auch sei sie ein wichtiger Baustein zur Verhinderung von Rückfällen.

In drei Jahren darf Klaus K. das Gefängnis verlassen, „wenn alles gut geht“, wie er sagte. Ob er dann als Koch weiterarbeiten wird, weiß er noch nicht. „Auf jeden Fall kann ich dann für mich und andere kochen“, sagte er stolz.

Von Nina Thöne

Quelle: HNA

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