Vorstand erläuterte beim Tag der offenen Tür seine Sicht des Chemieunfalls

Nach Chemieunfall: CTL kritisiert Einsatzkräfte

Blick hinter die Kulissen: Beim Tag der offenen Tür des Logistikers CTL erläutete Vorstand Lars Gehrmann (rechts) die Arbeitsabläufe im Homberger Standort. Foto:  Brandau

Homberg. Die Gespräche drehten sich fast ausschließlich um ein einziges Thema: Beim Tag der offenen Tür des Homberger Logistikers CTL stand der Chemieunfall im Mittelpunkt, der sich vor vier Wochen in dessen Halle im Industriegebiet ereignet hatte.

Die Vorstände Lars Gehrmann und Erich Wietzel führten die Besucher durch die Halle, in der in der Nacht vom 16. Februar über vier Liter des Gefahrstoffes Phenylmercaptan aus einem Fass ausgelaufen waren. Wegen des Chemieunfalls war über Nordhessens Grenzen hinaus Großalarm ausgelöst worden.

Erich Wietzel kritisierte offen den „Wahnsinns-Aufwand“ und das „Heckmeck“, das in jener Nacht betrieben worden sei. Er verwies auf den Giftunfall, der sich am Donnerstag in Kassel ereignet hatte, bei dem das Gelände bereits nach zwei Stunden wieder freigegeben worden sei. Das CTL-Gelände dagegen sei erst nach 36 Stunden wieder bewirtschaftbar gewesen. Zudem sei auch die Berichterstattung beim Kasseler Unfall viel kleiner und sachlicher gewesen: Bei CTL hätten alle Zeitungen über eine „Giftwolke“ geschrieben. Die aber habe es nie gegeben, denn es sei in jener Nacht viel zu kalt gewesen, als dass das Phenylmercaptan vom Boden hätte aufsteigen und sich zu einer Wolke ausbreiten können.

Erich Wietzel kritisierte nicht nur die Berichterstattung in den Medien, sondern auch den Ablauf der Rettungsarbeiten. Er bezweifele, dass die Retter in der Lage gewesen seien, angemessen mit der Situation umzugehen.

CTL: Wir sind besser gerüstet

CTL ziehe gleich mehrere Lehren aus dem Vorfall, sagte er. Zum einen würden nun weniger Geräte und Stapler eingesetzt, die Behälter beschädigen könnten. Zum anderen sei das Unternehmen nun selbst besser für den Notfall gerüstet und habe sich mit dem Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem vertraut gemacht, an das die großen Chemiefirmen angebunden seien. Nicht zuletzt aber, betonte Wietzel, werde CTL nie mehr in einen Standort investieren, in dem „die Einwohner so sensationslüstern“ seien.

Von den vielen Rettungskräften, die beim Unfall im Einsatz waren, waren am Samstag sehr wenige zu sehen. (bra)

Quelle: HNA

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