Kröten im Wolfhager Land gehen bald wieder auf Wanderschaft

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Erdkröte (von links), Gelbbauchunke, Wechselkröte: Schon in den kommenden Tagen können sie sich in Bewegung setzen. Während die Erdkröte in der Region weit verbreitet ist, ist der Bestand der Gelbbauchunken und Wechselkröten zurückgegangen. Sie müssen geschützt werden. 

Wolfhager Land. Sobald es in den kommenden Tagen wärmer wird, gehen die Kröten im Wolfhager Land wieder auf Wanderschaft. In der Dämmerung machen sich die Vierbeiner auf zu ihren Laichgewässern.

Bei Temperaturen um sechs, sieben Grad und feuchter Witterung nehmen die Amphibien mitunter einen mehrere Kilometer langen Weg auf sich. Doch nicht jede Kröte erreicht ihre Ziel, sagt Rainer Büchner von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium (RP) Kassel. Für einige ende die Reise auf der Straße.

„Wir können für die Amphibien nicht jede Straße sperren“, sagt Büchner. Schon allein wegen der Rettungsdienste und Busse müssten bestimmte Verbindungen offen bleiben. Generell verfolge das RP zum Schutz der Kröten und Molche drei Strategien. Neben der Straßensperrung seien dies die Trennung der Wanderrouten vom Verkehr und die Installation von Leitanlagen.

Künstliche Laichgewässer

Den Tierschützern geht es darum, Berührungspunkte zwischen Amphibien und Fahrzeugen zu beseitigen. So seien an einigen Stellen in Nordhessen Ersatzgewässer angelegt worden. Diese und die Überwinterungsbiotope befinden sich dann auf ein und derselben Straßenseite. Die Kröten müssen also keine Straßen mehr queren.

Im Wolfhager Land habe das RP so ein Projekt noch nicht umgesetzt. Allerdings, so Büchner, gebe es eine Fülle an natürlichen Biotopen, zwischen denen die Amphibien gefahrfrei hin- und herwechseln könnten.

Ein gutes Beispiel sei der ehemalige Standortübungsplatz Seilerberg oberhalb Ehlens. Als dort noch die Panzer durchs Gelände fuhren, schufen sie ideale Lebensbedingungen für die inzwischen selten gewordene Gelbbauchunke. Die Kettenfahrzeuge sind längst verschwunden vom Seilerberg und die tiefen Spuren zugewachsen. Daher müssen die Laichgewässer von Zeit zu Zeit künstlich angelegt werden.

Der teuerste Amphibienschutz seien Zäune und Tunnel. Diese Leitanlagen werden oft errichtet, wenn Straßen, die ein Wandergebiet durchschneiden, erneuert werden. So entstand auch auf Druck des Naturschutzbundes (Nabu) Oberelsungen im vorigen Jahr für 152.000 Euro entlang der Kreisstraße 87 zwischen Escheberg und der Einmündung zur Landesstraße nach Oberelsungen ein solches Leitsystem.

Da die Installation von Zäunen und Tunneln kostspielig sei, benötige das RP für eine Bewilligung der Anlage belastbare Fakten über die Zahl der wandernden Kröten. Dazu sei es erforderlich, über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren die Tiere entlang mobiler Fangzäune zu sammeln und zu zählen. In der Vergangenheit hätten sich darum die örtlichen Naturschutzverbände gekümmert. Doch inzwischen ist „die Haarfarbe grau im Naturschutz“, sagt Büchner und deutet damit an, dass das Engagement zuletzt nachgelassen habe.

Kröten wandern in vielen Bereichen des Wolfhager Landes. Überall dort, wo sich Teiche und Tümpel in der Nähe von Überwinterungsquartieren befinden, gehen die Amphibien auf Wanderschaft - das geschieht meist ohne größere Verluste, da die Tiere keine Straßen kreuzen. Die wichtigsten Bereiche, in denen Amphibien Fahrbahnen queren und Autofahrer Rücksicht nehmen sollten, sind:

• Riede am Feuerlöschteich (es gibt keine Schutzmaßnahmen)

• Elbenberg: auf dem Russenweg in Richtung Balhorn (seit 2014 Schutzzaun)

• Kreisstraße von Escheberg in Richtung Landesstraße nach Oberelsungen (neue Leitanlage)

• Stadtwald Wolfhagen im Bereich Jeppeteich und Stöcketeich (seit diesem Jahr unproblematisch, da für Durchgangsverkehr dauerhaft gesperrt)

Quelle: HNA

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