Zur Krone schließt: Familie Wölk gibt Gasthaus auf

Müssen schließen: Edda Wilhelm mit Tochter Sylke Wölk und Ehemann Michael.

Frielendorf. Ursprünglich sollte das Fachwerkgebäude in der Frielendorfer Ortsmitte mal eine Kirche werden. „Meine Oma hat immer gesagt, dass die Gemeinde das Geld versoffen habe“, erzählt Edda Wilhelm.

Und so wurde daraus eine Gemeindegastwirtschaft, die Adam Emeluth schließlich kaufte. Vier Generationen standen hier hinter der Theke - Ende des Monats muss das Traditionsgasthaus „Zur Krone“ schließen. „Wenn man nur noch reinbuttern muss, dann muss man irgendwann eine solche Entscheidung“, sagt die Besitzerin Sylke Wölk.

Für Mutter Edda Wilhelm, die daran gewöhnt ist, dass der Betrieb den Rhythmus vorgibt, eine schmerzliche, aber auch nachvollziehbare Entscheidung. „Hobbys kenne ich gar nicht. Mein Tag begann früh um halb sechs und endete, wenn der Letzte sein Bier ausgetrunken hatte“, erzählt sie.

Gern erinnert sie sich an ihre Kindheit. Wenn die Oma erzählte, wie früher die Menschen, ihre Kohle in der Grube abholten: „Ich erinnere mich noch gut an die Ringe an der Hauswand, an der die Pferdegespanne befestigt wurden“, sagt Wilhelm.

Einweihung: 1911 übernahm Adam Emeluth das Frielendorfer Gemeindewirtshaus und nannte es „Gasthaus zur Krone“. Foto: Privat/nh

In den Zeiten der Zeche gingen mittags 80 bis 100 Essen raus. Die Oma sei eine gute Köchin gewesen: „Die Bauerstöchter aus der Region lernten im Winter bei ihr das Kochen.“ Mit dem Pferdefuhrwerk wurde auch die gläserne Veranda von Marburg nach Frielendorf transportiert: Der Opa baute den Vorbau, der ursprünglich am Lahnufer hing, ab und über die Ohe am Gasthaus wieder auf. Hier fanden bis in Ende der 1960er-Jahre Bälle und Wintervergnügen statt.

Familie war eingespannt

„Die Arbeiter gingen in die Krone, die Besseren ins Hassia - das war schon immer so“, erklärt die Familie. Gut liefen die Geschäfte noch bis in die 1970er- und 80er-Jahre: „Meine Jugend habe ich nicht genießen können, ich war immer eingespannt“, sagt Sylke Wölk. Aber dass sie die Gaststätte irgendwann übernehmen würde, war ihr immer klar. „Aber ich wusste, dass man damit keine Familie ernähren kann. Mein Mann ist immer arbeiten gegangen.“ Ihre Mutter sei quasi „lebendes Inventar“. Immer schon habe sie mit im Gasthaus gewohnt. „Aber am Betrieb sind auch zwei Ehen gescheitert“, sagt Wölk.

Edda Wilhelm stand am Zapfhahn - „da hat manch einer seine Kapriolen gebeichtet“ - putzte, kümmerte sich um die Fremdenzimmer und kochte. „Ich koche alles gern“, sagt sie. „Bei der Mama gibt es noch ein vernünftiges Schnitzel“, sagt Wölk. Edda Wilhelm tut es vor allem für ihre Stammgäste leid: „Die haben alle Feste bei uns gefeiert - von der Taufe bis zur Beerdigung.“ Als Sylke Wölk 2001 den Betrieb übernahm, war sie voller Euphorie. Bis 2005. „Hier in Frielendorf ist die Gemeinschaft heute nicht mehr da. Zu Veranstaltungen kamen häufig nur Auswärtige“, erklärt sie. „Aber ich bin überzeugt, dass das Gasthaus für jemanden mit Erfahrung eine Goldgrube wäre“, sagt Wölk. Die Familie hofft, dass sich ein neuer Eigentümer findet. Sonst schließt das Gasthaus am Sonntag, 30. September, endgültig seine Türen. (zsr)

Quelle: HNA

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