Diplom-Meteorologe: Mai zu kühl und zu nass

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Feuerwehrauto im Wasser: So sah es beim jüngsten Hochwasser in Homberg-Mühlhausen aus.

Fritzlar-Homberg. Der Süden, besonders die Regionen Chiemgau und Passau, große Teile in Thüringen und Sachsen aber auch Tschechien erleben momentan bedingt durch extreme Niederschlagsmengen die größte Hochwasserkatastrophe.

Örtlich fielen in diesen Gebieten 300 bis 400 Liter Regen in wenigen Tagen. Passau erlebt den höchsten Wasserstand seit rund 500 Jahren.

Auch in unserer Region stiegen die Pegel von Werra, Fulda und Weser stark an. Wie in der HNA am 4. Juni 2013 berichtet, hatte unsere Region noch Glück. Warum ist das so?

Die Witterung im Mai 2013 war zwar auch bei uns ungewöhnlich, außergewöhnlich war sie aber nicht! Ein Blick in die Wetteraufzeichnungen der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass wir ähnliche Verhältnisse in unserer Region schon mehrmals beobachtet haben.

Mit einer Niederschlagsmenge von ca. 190 Millimetern – das entspricht einer Menge von 190 Liter auf jeden Quadratmeter Boden – brachte uns der Mai 2013 diesmal zwar einen neuen Regenrekord. Der Mai 2007 lag mit einer Gesamtmenge von rund 185 Liter pro Quadratmeter aber nur unwesentlich darunter.

Kaum Sonne, kaum Wärme

Auch der Mai 1984 brachte mit rund 175 Litern recht erhebliche Regenmengen. Der entscheidende Unterschied zu früheren Jahren liegt in der zeitlichen Verteilung. In diesem Jahr brachte zum Teil lang anhaltender Dauerregen die große Niederschlagsmenge. An mehr als jedem zweiten Tag hat es im Mai bei uns geregnet. Die warmen und sonnigen Maitage fehlten fast gänzlich.

Lediglich an sechs Tagen konnte man von der Bewölkung her gesehen von einem „heiteren“ Tag sprechen. Dies führte zu der Einschätzung eines „total verregneten“ Monats. In der Vergangenheit wurden die großen Regenmengen im Mai meist von einzelnen Starkregen bei Gewittern verursacht. Dazwischen konnte der Erdboden immer wieder abtrocknen. Im regenreichen Mai 2007 hatten wir 22 heitere Tage, die Temperaturen stiegen mehrfach über 25 Grad, an einem Tag wurden fast 30 Grad gemessen.

Die Antwort auf die Frage warum unsere Region mehr Glück hatte als die anderen Regionen ergibt sich aus der Großwetterlage. Die Meteorologen sprechen in diesem Fall von einer Vb-Lage. Dabei handelt es sich um ein Tiefdruckgebiet das sich im Golf von Genua bildet, über dem Mittelmeer reichlich Feuchtigkeit aufnimmt und diese dann auf seinem Weg über die Ostalpen weit nach Norden transportiert und dort als Dauerregen wieder abgibt. Unser Gebiet liegt in der Regel – wie auch diesmal – am Westrand diese großen Niederschlagsgebietes. Als Folge der Klimaänderung müssen wir damit rechnen, dass in Zukunft auch uns die volle Härte einer Vb-Lage treffen kann.

„Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun’ und Fass.“

Zusammenfassend kann man sagen: Der Mai 2013 war bei uns merklich zu kühl, viel zu nass und die Sonne machte sich rar. Eine Katastrophe war er aber für uns nicht.

Ein alter Bauernspruch sagt: „Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun’ und Fass.“ Soviel Kühle und vor allem so viel Nässe hätte es aber nicht sein müssen. (nh)

Günter Fickenscher ist Diplom-Meteorologe aus Fritzlar. Er leitete früher den geophysikalischen Beratungsdienst der Bundeswehr in Fritzlar.

Quelle: HNA

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