Arbeitsgericht Kassel hat entschieden

Kündigung der Ex-Leiterin der Hephata-Sozialpsychiatrie ungültig

Fritzlar/Kassel. Die kurz vor Weihnachten ausgesprochene, fristlose Kündigung der langjährigen Leiterin der Hephata-Sozialpsychiatrie in Fritzlar, Annemarie Fießler, ist ungültig. Das hat gestern das Arbeitsgericht Kassel in erster Instanz entschieden.

Das Arbeitsverhältnis mit der Hephata-Diakonie sei durch die Kündigung vom 18. Dezember 2012 „weder fristlos noch hilfsweise mit sozialer Auslauffrist beendet worden“, stellte das Gericht fest. Es gab damit Fießlers Antrag statt, die gegen ihre Kündigung geklagt hatte.

Den knappen Urteilsinhalt teilte das Gericht am Nachmittag auf Anfrage mit. Ausführliche Gründe der Entscheidung gehen den streitenden Parteien schriftlich zu. „Offenbar ist das Gericht davon ausgegangen, dass der der Kündigung zugrunde liegende Tatvorwurf nicht ausreicht, um das Arbeitsverhältnis zu beenden“, kommentierte Fießlers Anwalt Sven Feuerhahn.

Hephata hingegen kündigte an, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. Man habe sich die Entscheidung über die Kündigung nicht leicht gemacht, diese sei „wohl überlegt und begründet“, betonte Direktorin Barbara Eschen. Das Gericht habe die Gründe nicht infrage gestellt, sondern lediglich das Verfahren der Kündigung für unzureichend gehalten.

Laut Hephata läuft derzeit noch eine zweite Kündigung gegen Annemarie Fießler. Da das Arbeitsgericht darüber noch nicht entschieden habe, werde die ehemalige Leiterin auch in absehbarer Zeit nicht an ihren früheren Arbeitsplatz zurückkehren.

In der mündlichen Verhandlung hatte der Rechtsanwalt Hephatas mehrfach versucht, Fießler eindeutiges Fehlverhalten zuzuschreiben – was stets von der Vorsitzenden Richterin wieder eingefangen wurde: Der Sachverhalt sei „weniger dramatisch“ als der Anwalt dies darstelle, sagte sie. Gleich zu Beginn der Verhandlung hatte die Richterin Zweifel angemeldet, ob die Kündigung eines langjährigen Arbeitsverhältnisses tragfähig sein könne, wenn es im Vorfeld keine Abmahnung gab.

Zu einer Beweisaufnahme zu den Vorwürfen kam es nicht. Wie der Verhandlung zu entnehmen war, hatte Hephata Fießlers Kündigung zunächst mit einer Aufräum-Aktion begründet. Sie habe Mitarbeiter aufgefordert, dabei zu helfen und dafür Arbeitsstunden zu notieren, obwohl der Einsatz nicht zu deren offiziellen Aufgaben gehört habe. Der Anwalt Hephatas sprach deshalb von „Arbeitszeitbetrug“.

Fießlers Anwalt hingegen betonte, eine solche Aktion sei ein Jahr zuvor vom damaligen Vorgesetzten seiner Mandantin angeordnet worden. Dieser frühere Chef stand als Zeuge bereit. Als Zeuge der Gegenseite war der aktuelle Geschäftsbereichsleiter benannt. Keiner von beiden wurde aufgerufen.

Einen Vergleichsvorschlag lehnte Fießler gestern ab. Ihr Anwalt betonte, für seine Mandantin gehe es darum, von dem Vorwurf „reingewaschen“ zu werden und bestätigt zu bekommen, dass dieser keine Kündigung trage. Aus dem voll besetzten Zuschauerraum wurde ihr gestern nach der Verhandlung Unterstützung zugerufen: „Anne, wir sind alle weiter bei Dir.“

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

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