Künstler David Schmidt

In der Sicherungsverwahrung schafft Jackules ein Kunstwerk

Besondere Arbeitsatmosphäre: David Schmidt, genannt Jackules, besprüht eine Mauer der Sicherungsverwahrung im Gefängnis in Ziegenhain – ganz legal. Denn der Gestalter aus Kassel arbeitet im Auftrag der JVA. Foto: Grede

Ziegenhain. Das leise Zischen der Sprühflasche ist zu hören, im Hintergrund dudelt ein Radio. Über feinen Strichzeichnungen an der Gefängnismauer entstehen dicke schwarze Striche, aus einer großen blauen Welle schweben Blumen über tristem grauen Beton ins Licht.

Graffiti trifft Justiz: David Schmidt lässt seine Wunderlandschaften an der Mauer entstehen, die im Ziegenhainer Gefängnis die Sicherungsverwahrten von den Strafhäftlingen trennt.

Noch lässt sich Aussagekraft der Fantasiewelt, die der Künstler an der 30 Meter langen Gefängnismauer schafft, nur erahnen, erst in den nächsten Tagen soll die Arbeit abgeschlossen werden. Schon greifbar wird in der überdimensionalen Skizze der Umgang mit dem Begriff Freiheit. Ein besonderes Spannungsfeld an dieser Stelle, denn nicht Publikumsmassen werden das Gemälde bestaunen: Einzig Männer, die in der Sicherungsverwahrung ein Leben zwischen Haft und Freiheit führen, aber trotzdem weggesperrt sind, werden das Graffiti sehen: Riesige Uhren mit einer kleinteiligen Skyline am Rand werden von dicken Ketten gehalten. Dem gegenüber Pflanzen, die sich aus der Kraft des Wassers wie von selbst ins Licht entfalten. „Die Zeit lässt sich nicht fangen - wer im Moment lebt, ist frei“, erklärt der Gestalter aus Kassel. Diese Weisheit, die sich die Menschheit seit tausenden Jahren selbst zu vermitteln versuche, sei die inhaltliche Basis des Motivs. Die Gefängnismauern bieten hierfür die perfekte Leinwand, meint der 33-Jährige.

Für Schmidt, der üblicherweise im Auftrag Fassaden bemalt und besprüht, ist nicht nur seine derzeitige Arbeitsstätte eine Premiere. Noch nie habe er etwas geschaffen, was so konstruiert und schlüssig sei, meint er. Die Arbeit im Gefängnis sei entspannend, so etwas wie die übliche Alltagshektik spüre er hier nicht. Und die Insassen? Die scheinen sich schon an den Sprayer gewöhnt zu haben, drehen beim Entstehungsprozess des Kunstwerks im Innenhof ihre Runden, genießen auf den Bänken die Mittagssonne, andere wiederum gießen das Gemüsebeet.

Anfangs habe es Befürchtungen gegeben, es könnte möglicherweise alles schwarz und weiß bleiben, beschreibt Schmidt einige Reaktionen. Ansonsten warten alle gespannt auf das komplette Kunstwerk aus der Dose. Fest steht schon jetzt, langweilig wird die Gefängnismauer nicht mehr sein. Und Sorgen, dass sein Werk übersprüht werden könnte, muss sich David Schmidt nicht machen: Es wird bestens bewacht.

Quelle: HNA

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