Melsunger Stolperstein-Initiative gedenkt den Opfern des Nationalsozialismus

Künstler Demnig verlegt neue Stolpersteine

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Die Frau mit dem Papagei: Vor dem Haus an der Fritzlarer Straße 1 verlegten Künstler Gunter Demnig und Renate Mahler-Heckmann von der Melsunger Stolperstein-Initiative einen Stein zum Gedenken an Amalia Abt. Die Jüdin besaß einen Papagei und wurde deshalb Mamma-Papa genannt.

Melsungen. Die Klingel an ihrer Tür in Melsungen konnte Amalia Abt nicht hören. Um dennoch zu wissen, wenn sich Besuch ankündigt, hatte die Jüdin einen Papagei. Der machte sie auf das Klingelzeichen aufmerksam. Gestern wurde ein Stolperstein zum Gedenken an Amalia Abt vor dem Haus an der Fritzlarer Straße 1 verlegt.

Dort lebte die Frau, die Mamma-Papa genannt wurde, viele Jahre.

Neben dem Stein für Amalia Abt wurden zehn weitere Stolpersteine von dem Kölner Künstler Gunter Demnig und der Stolperstein-Initiative in der Fritzlarer Straße verlegt. Damit kreuzen nun 42 Gedenksteine den Weg von Fußgängern in Melsungen. Sie erinnern an die Opfer der NS-Zeit.

Die von Demnig in ganz Deutschland verlegten Stolpersteine ergeben ein Gesamtwerk. "Durch die Steine entsteht eine Vernetzung mit anderen Orten", sagt Renate Mahler-Heckmann, Vorsitzende der Melsunger Stolperstein-Initiative. Bei ihrer Arbeit stößt die Initiative immer wieder auf neue Fragen.

Das Wissen um die Geschichte einiger in Melsungen beheimateter Juden sei dürftig. "Es müssen noch viele Puzzleteile zusammengefügt werden", sagt Renate Mahler-Heckmann. Längerfristig will die Stolperstein-Initiative auf dem jüdischen Friedhof nach weiteren Informationen zu Opfern der NS-Zeit suchen.

Steine vor dem Spielwarengeschäft

Bei der fünften Stolperstein-Verlegung in Melsungen wurde - neben der Frau mit dem Papagei - Meinhard und Rosalie Meyer sowie deren Tochter Clara Saevici gedacht. Für sie wurden Steine in das Pflaster vor ihrem einstigen Spielwarengeschäft in der Fritzlarer Straße 11 eingelassen.

An die Familie des Fleischers Arthur Katz erinnern fünf Steine vor der Hausnummer 13. Neben den drei Töchtern Leonore, Hildegard und Berta bekam auch seine Frau Ida Katz einen Stolperstein.

Für den machte Demnig eine Ausnahme: Eigentlich werden die Steine nur für Opfer der NS-Zeit ab 1933 verlegt. Ida Katz beging unter dem wachsenden Druck durch die Nationalsozialisten bereits ein Jahr zuvor Selbstmord. Für Rosa und Moritz Katz wurden Stolpersteine in den Bürgersteig vor dem Haus in der Fritzlarer Straße 4 eingelassen.

Von Verena Koch

Quelle: HNA

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