Mezzotinto-Radierungen: Günter Metz stellt in der Kunsthalle Willingshausen aus

Der Künstler als Kompass

Drucke enstehen mithilfe einer Metallplatte: Theo-Franz Maas, Künstler Günter Metz und der Vorsitzende der Vereinigung Malerstübchen Helmut Geißel (von links) zeigen eine solche. Foto: Rose

Willingshausen. Die Werke von Künstler Günter Metz kommen ganz ohne Farbe aus. Und doch zeichnen sie sich durch eine beeindruckende Nuancenvielfalt aus. Von der tiefsinnigen, zeitkritischen Bildsprache des Frankfurters ließen sich am Samstag mehr als 100 Besucher in der Kunsthalle Willingshausen überzeugen. Organisiert worden war die erste Ausstellung des Kunstjahres 2011 von der Vereinigung Malerstübchen. Zu sehen sind in den kommenden sieben Wochen Mezzotinto-Radierungen – bereits im 15. Jahrhundert entstanden, wurde diese Technik erst 100 Jahre später anerkannte Meistertechnik.

Laudator Theo-Franz Maas verglich die Arbeiten von Metz mit Werken der Willingshäuser Maler: Auch sie setzten mit dem Malen in freier Natur neue Akzente, weil sie sich dem damals vorherrschenden Stil der Abbildung großer Landschaften, historischer Szenen oder politischer Staatsaktionen entzogen. Auch Metz bediene sich einer neuen, wenn auch altbekannten Technik. „Er arbeitet mit aufgerauten Metallplatten, auf denen er ein Raster herstellt – glatte Flächen bleiben weiß“, verdeutlichte Maas. Diese Mezzotinto-Technik – übersetzt Halbfärbung – ermögliche unendlich viele Zwischentöne. Der Künstler arbeite quasi vom Dunklen ins Helle: „Greifbares, Gegenständliches wird durch schwarze Töne sichtbar gemacht“, erklärte der Laudator. Schemenhaft trete hingegen das Gedachte zutage.

Figuren schwer zu deuten

Hiermit hebe sich Metz deutlich von der Idyllen-Malerei der Willingshäuser Künstler ab: „Metz zeigt leidende Arbeiter, hier wird richtig malocht“, verdeutlichte Maas. Die Figuren von Metz ließen sich nicht leicht deuten. Der Betrachter reagiere nicht automatisch affirmativ, also bejahend: „Nein, ganz im Gegenteil. Hier bricht die große Fragerei aus“, beurteilte Maas. Denn das Gedachte und das Reale, was der Künstler auf der Druckplatte trennen könne, gehe auf dem Bild selbst plötzlich eine merkwürdige Symbiose ein. „Damit hat die Kunst das Potential, über das Individuum hinaus zu wirken“, erklärte der Laudator. Maas forderte die Besucher auf, sich auf die Schule des Lesens, der Interpretationen einzulassen: „Mit Metz als Kompass in der Hand, gelingt es uns, die Probleme auch zu sehen.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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