Museumstag in Trutzhain: Fotoausstellung zum Stalag IX A eröffnet

+
Haben die Ausstellung zusammen gestellt: Hannelore Schunk, Bert Beckmann und die Leiterin der Gedenkstätte, Karin Brandes (von links).

Trutzhain. Auch 67 Jahre nach Ende des Krieges erreichen die Gedenkstätte in Trutzhain noch immer Zeugnisse ehemaliger Kriegsgefangener. Auch Josiane Bonhomme, Tochter des französischen Kriegsgefangenen René Huc, nahm Kontakt zur Gedenkstätte auf.

Sie stellte dem Museum Fotos ihres Vaters zur Verfügung, die einen Einblick in das kulturelle Leben der Franzosen im Lager Ziegenhain geben. Am Sonntag wurde zum Museumstag die Ausstellung eröffnet. Zusammen gestellt haben die Auswahl Leiterin Karin Brandes, Hannelore Schunk, Bert Beckmann, Rigobert Gutmüller, Christian Steidl und Marion Jäckel.

„Die Fotos sind ein Beleg für Überlebensstrategien, die halfen, dem Schrecken und der Monotonie des Alltags hinter Stacheldraht zu entfliehen“, erklärte Brandes. Die Bilder zeigten nur einen kleinen Ausschnitt der Lagerrealität, ergänzten die Forschung jedoch als zeithistorische Quelle, die kritisch hinterfragt werden dürfe. Denn gleichwohl dienten die Fotos auch als Mittel der Propaganda.

In einem Visitationsbericht aus dem Jahr 1941 sei zu lesen, dass die Unterbringung der Häftlinge „als anerkennenswert“ eingestuft wurde. „Über Häftlingskultur ist bislang wenig bekannt und erforscht“, erläuterte die Historikerin. Zwischen 1940 und 1945 wurde im Lager nicht nur Theater gespielt, es gab auch eine Akkordeongruppe sowie ein Jazzensemble.

Zahlreiche Schauspieler

Unter den inhaftierten Franzosen lebten zahlreiche Schauspieler, die sich in der „Groupe Artistique Ziegenhain“ zusammen schlossen und alle vier Wochen selbst geschriebene Stücke, französische Klassiker, Revuen und Kabarett auf die Bühne brachten. So erzählt eine Fotoserie eindrucksvoll von der Verwandlung eines männlichen Schauspielers zur Frau – denn Frauen gab es ja im Lager nicht. Die Aufführungen wurden von der Lagerleitung geduldet und bisweilen für Propagandazwecke genutzt.

Die außergewöhnlichen Fotografien machen deutlich, wie kreativ die Häftlinge das kulturelle Leben mitgestalteten. Neben Szenenbildern von Theateraufführungen und Revuen zeigt die Ausstellung beeindruckende Kostümentwürfe von René Coucy, die später sogar für ein Theaterstück umsetzt wurden. (zsr)

• Zu sehen ist die Fotoausstellung bis Freitag, 29. Juni

Quelle: HNA

Kommentare