Dönberger Heimatmaler Josef Rauscher wäre am 2. April 100 Jahre alt geworden

Ein kulturelles Multitalent

Entdeckung: Stefan Podlaha, ein Enkel Josef Rauschers und wie er Freizeit-Maler und –Musiker, heutiger Vorsitzender der „Dörnberg-Musikanten“, betrachtet zusammen mit Herbert Gerhold vom Geschichts- und Heimatverein Habichtswald ein bisher noch nicht bekanntes Aquarell seines Großvaters. Foto: Del Tedesco/nh

Dörnberg. Die Wohnzimmer in Dörnberg sind noch heute eine lebendige Galerie für die Gemälde von Josef Rauscher. Herbert Gerhold, Bilder-Experte des Geschichts- und Heimatvereins Habichtswald, hat schon viele Bilder des Malers gesehen.

Er hatte den Dörnberger Heimatkalender 2013 mit zahlreichen Werken Josef Rauschers aus Privatbesitz bestücken können. Rauscher wäre heute 100 Jahre alt geworden.

Über den Maler, der am 2. April 1913 im damals noch österreichisch-ungarischen Egerland geboren wurde, schrieb die Zeitung am 30. November 1965 anlässlich einer Ausstellung in Wolfhagen: „Seine Aquarelle und Federzeichnungen mit Motiven aus der sudentendeutschen Heimat wie aus Dörnberg zeigen ein erstaunliches Können.“ Diese Fähigkeiten hatte er sich im Privatunterricht angeeignet, weil sich eine graphische Ausbildung in den Wirren der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ebenso zerschlagen hatte wie eine musikalische, denn er spielte von Kindheit an Geige und Klarinette.

„Seine Landschaftsbilder, aber auch seine populären Dorfansichten, haben Dörnberg ein unverwechselbares Gesicht gegeben.“

Josef Rauscher: Der Dörnberger Heimatmaler starb im Juli 1978. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden. Die Aufnahme entstand wenige Jahre vor seinem Tod.

Josef Rauscher hatte nach Kriegsteilnahme, Gefangenschaft und Vertreibung seiner Familie, mit Frau Juliane und Tochter Ilse in Dörnberg ein neues zu Hause gefunden. Den Weg zu seiner Arbeitsstelle im Oktogon-Restaurant am Herkules legte er täglich bei Wind und Wetter zu Fuß zurück. So konnte er die Schönheit des Hohen Habichtswaldes und den Blick auf den Dörnberg, das Dorf und ins Warmetal hinein ganz unmittelbar und tief erleben und in seinen Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen eindrucksvoll gestalten. „Seine Landschaftsbilder, aber auch seine populären Dorfansichten, haben Dörnberg ein unverwechselbares Gesicht gegeben“, stellt Herbert Gerhold anerkennend fest.

„Mein Großvater war, wie wir heute sagen würden, ein kulturelles Multitalent“ erinnert sich Stephan Podlaha. Er war auch als Musiker mit Geige oder Klarinette gefragt und erfreute in den 50er und 60er Jahren ein großes Publikum bei volkstümlichen Musikabenden und bei Aufführungen der Laienspielgruppe des TSV Dörnberg, aber auch durch anspruchsvolle Konzerte – er liebte Mozart.

Josef Rauscher ist sicherlich auch ein gutes Beispiel für die kulturelle Bereicherung der Dörfer und Städte, die nach dem Krieg von vielen Heimatvertriebenen ausging. Er starb 65-jährig am 28. Juli 1978 und ruht auf dem Alten Dörnberger Friedhof. (nh)

Von Klaus Del Tedesco

Quelle: HNA

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