Ein Star zum Anfassen

Kulturzelt Wolfhagen: Johannes Oerding begeisterte zum Abschluss

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Sympathischer Künstler: Johannes Oerding präsentierte mit seiner erstklassigen Band am Samstagabend seine Hits vor gut 1500 Fans im Wolfhager Kulturzelt. 

Wolfhagen. Es ist der Klang eines kleinen Glockenspiels, der binnen Sekunden verzaubert und den gerade noch geäußerten Unmut über die dank unerwarteter Vorband zwangsverlängerte Wartezeit auf Topact Johannes Oerding vergessen lässt.

Beinahe meditativ klopfen sich die bittersüßen Tonfolgen der Hamburger Newcomer-Band Vivie Ann am Samstagabend im Wolfhager Kulturzelt in die Gehörgänge der rund 1500 Besucher, münden mal in sanft-lässigen Folk-Pop-Perlen, dann wieder in durch fette Beats getragene Gute-Laune-Hymnen. Gepaart mit Frontfrau Vivies wandelbarer Stimme und direkt aus deren Herzen entspringenden Texten, lässt das Trio Gänsehaut wachsen und die Stimmung in der ausverkauften Arena mächtig ansteigen. Das Vorgruppen häufig ereilende Schicksal, direkt nach ihrem Kurzset in Vergessenheit zu geraten, dürfte Vivie Ann erspart bleiben, Viele würden ihr gar länger lauschen wollen, wäre da nicht er: Johannes Oerding.

Der Wahl-Hamburger, der seit Jahren mit flauschigem Pop die Playlists sämtlicher Radiostationen ebenso im Sturm nimmt wie die Herzen seiner meist weiblichen Anhänger, startet in den Teichwiesen mit überraschender Wucht in den Abschlussabend des Festivals. Vom rastlosen Tourleben singt er da und bringt auf den Punkt, was das begeistert abgehende Publikum ebenso ausstrahlt wie er selbst: „Ich hab noch immer nicht genug.“

Hit auf Hit singt sich der sympathische 34-Jährige durch seine vier Alben, die textlich seinen Zuhörern immer wieder aus den Herzen sprechen, etwa dann, wenn er „Diese Nacht gehört uns, wenn auch nur für ein paar Stunden“ ins Mikro schmachtet. Da wäre manch Dame im Publikum gern nochmal ein paar Jährchen Jünger, einige von Oerdings kleinsten Fans nämlich dürfen dem rockenden Sonnyboy ganz nah kommen, über die Bühnenabsperrung klettern und seinen Auftritt aus nächster Nähe verfolgen.

Der Mann mit Hut gibt sich als Star zum Anfassen, auch zu späterer Stunde, als er seiner Band den Rücken kehrt, zum Marsch durchs proppenvolle Zelt antritt und bei nicht Wenigen Schnappatmung hinterlässt. Die hält glücklicherweise nur kurz an, denn ordentlich Puste braucht es bei „Wo wir sind ist oben“. Da wird gerockt und gesungen, geklatscht und getanzt, als sich Oerdings grandiose Begleitmusiker in Endlossoli austoben dürfen, der Song urplötzlich zu James Browns „Sex Machine“ wird, Nirvanas „Smells like Teen Spirit“ nacheifert und selbst als Schlager-Version zu verzücken weiß. Jetzt glüht die Luft im Zelt, passend zum Hit „Alles brennt“, zu dem Wolfhagen als Chor noch eine Schippe zu „Weil du ein Engel bist“ drauf legt, sodass Johannes Oerding nach zwei Zugaben mindestens so begeistert die Bühne verlässt, wie seine Fans das Zelt.

Quelle: HNA

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