Kunst blühte auf in Treysaer Kellern

Akustikerlebnis und Augenschmaus: Links oben Maximilian Buck , unten links Silvia Pahl, theater 3 hasen oben, daneben Nicoline Hake, die „Nonnengesänge und Liebeslieder“ sang. Fotos:  Diehl

Die 170 Eintrittskarten waren schon nach einer Woche ausverkauft, und wer eine erhaschen konnte, wusste spätestens um kurz nach halb elf am Samstagabend warum: Mit der Keller-Kultur-Nacht in der Treysaer Oberstadt haben die Altstadtfreunde einen kulturellen Coup gelandet, der auch in der zweiten Auflage begeisterte.

„Wirklich außergewöhnlich, dass es so etwas hier in Treysa gibt“, sagt Ursula Langer, als sie mit ihrem Lebensgefährten Heinz Henn über den Marktplatz schlendert - noch ganz beseelt davon, was sie in den zurückliegenden zweieinhalb Stunden erlebt hat. „Schade, dass wir nicht alle fünf Keller erleben konnten“, so die Treysaer.

Doch auch dies gehört zum Konzept: Drei von fünf geöffneten Kellern in der Altstadt können jeweils zur vollen Stunde besucht werden, sehenswert schon die unterirdischen Gewölbe an sich. Wer den teils steilen Abstieg gemeistert hat, wird mit einem Bühnenprogramm belohnt, für das die regionalen Künstler sich nicht im Keller verstecken brauchten: Pop, Soul und Jazz gab es im gerade erst frisch hergerichteten und mit Heu ausgestreuten Erdkeller unter dem Stadthotel, in dem das Trio Karina Neumann (Gesang), Tobias Altmann am Saxophon und Stefan Reitz, Rhodes-Piano, „Starke Stücke“ von Celine Dion, Billy Joel oder The Crucaders erklingen ließ.

Wieder oben am Tageslicht, regnet es leise, doch der Marktplatz füllt sich zum Kellerwechsel mit regem Treiben. Unter der Stadtapotheke bereiten sich Silvia Pahl und Klaus Wilmanns vom theater 3 hasen oben sowie das Schrecksbacher Jungtalent Maximilian Buck auf den zweiten Durchlauf vor, das Trio spielt sich von Mal zu Mal sprichwörtlich warm. Auszüge aus dem Stück „Publikumsbeschimpfung“ von Peter Handke, das Märchen der Brüder Grimm „Das kluge Gretel“ und ihren Lieblingsdichter Daniil Charms, Vertreter der russischen Absurder, haben die Theaterleute ausgewählt. Während die acht Akteure des Schwarzlichttheaters „Black Box“ der Hephata Diakonie unter der Leitung von Olga Waldt und Stefan Gladigau mit eindrucksvollen Neobildern das Gewölbe unter der Stadtkasse bespielen und im Liesegang-Keller in der Klostergasse Thomas Gunkel „Crimi Noir“ aus der Glasgow-Triologie des Schotten Malcom MacKay liest, beweist Nicoline Hake außergewöhnliche Bühnenpräsenz dort, wo es gar keine Bühne gibt. Mit ihrer klaren Sopranstimme interpretiert sie Nonnengesänge, Volks- und Liebeslieder - purer Hörgenuss, wie er in der Schwalm selten geboten wird. Ein ganz besonderer Sommerabend.

Von Kerstin Diehl

Quelle: HNA

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