Jürgen Wollmann muss Bilder zurücknehmen, hat aber Anspruch auf Schadensersatz

Kunst mit Rückfahrschein

Strittig: Laut Landgerichtsurteil soll Kunsthändler Jürgen Wollmann das Hasselhorst-Gemälde Häuserbrand in Hattendorf von der Stadt Alsfeld zurücknehmen. Er kann gegenüber der Stadt allerdings finanzielle Ausfälle geltend machen. Repro: HNA

Schwalmstadt/Alsfeld. Für Alsfeld ist es ein Sieg unter Vorbehalt: Im Zank um die Hasselhorst-Gemälde bekam die Stadt jetzt zwar Recht, der Treysaer Kunsthändler Jürgen Wollmann kann allerdings gegenüber der Stadt finanzielle Ansprüche geltend machen.

Hintergrund: Seit drei Jahren versucht die Stadt Alsfeld, dem Treysaer Kunsthändler Bilder zurückzugeben, die Alsfelds Ex-Bürgermeister Herbert Diestelmann ohne vorherige Rücksprache mit dem Magistrat dem Schwalmstädter Geschäftsmann abgekauft hatte (wir berichteten).

Gezahlt wurden für die Kunstgegenstände insgesamt 170 000 Euro. Dabei handelt es sich um Gemälde der Maler Johann Heinrich Hasselhorst, Richard Hölscher und Fritz Döring und eine Abendmahlskanne. Bezahlt wurden die Kunstgegenstände aus einem Erbschaftskonto der Stadt Alsfeld.

Laut Urteil des Landgerichts Marburg muss Wollmann die Bilder nun zurücknehmen und der Stadt 170 000 Euro zurückzahlen. Runter rechnen darf Wollmann aber den ihm durch den Verkauf entstandenen Schaden. Das könnte zum Beispiel ein geringerer Wiederverkaufswert der Gemälde sein.

Wollmann soll aus Sicht des Gerichts aus der Transaktion mit der Stadt Alsfeld keinen wirtschaftlichen Schaden erleiden. Die Richter gestehen damit dem Kunsthändler zu, dass er auf die Richtigkeit des Geschäfts mit dem damaligen Bürgermeister Diestelmann vertraut hat.

Grundsätzlich müsse er noch die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, erklärte Wollmann im Gespräch mit der HNA. Dann erwäge er, ob er in die Berufung gehe oder nicht.

Aus Sicht seines Anwalts Burkhard Weinbach gibt es jetzt einen Gleichstand mit der Stadt Alsfeld. Sein Mandant sei nun so zu stellen als hätte es dieses Geschäft nie gegeben. „Jetzt geht es um Zahlen“, erklärte der Anwalt.

Das sieht auch Bürgermeister Ralf Becker so – allerdings nach Lesart der Stadt Alsfeld. Die Höhe des Schadens lasse sich nur belegen, wenn tatsächliche Zahlen vorlägen. Wollmann müsse nun nachweisen, was er ausgegeben habe. Auch der Wert der Bilder ist nach Ansicht des Alsfelder Bürgermeisters strittig. „Wir gehen davon aus, dass es nur ein Bruchteil der tatsächlich gezahlten Summe ist“, erklärte er im Gespräch mit der HNA. Die Stadt Alsfeld will nun einen Schritt weiter gehen und Gutachter beauftragen, die den tatsächlichen Wert der Gemälde feststellen sollen. Erst im November hatte die Stadt einen Vergleich mit dem Kunsthändler abgelehnt. Grundsätzlich sieht Becker allerdings die Position der Stadt Alsfeld bestätigt. „Es ist es aber für ist für uns ausgegangen, wie wir es erwartet habe“, sagte er.

Parlament entscheidet

Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht, beide Seiten können noch Berufung einlegen. Ob die Stadt Alsfeld das Urteil annimmt muss erst noch die Stadtverordnetenversammlung entscheiden.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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