Kabarettist Martin Zingsheim gastierte am Freitag in der Hospitalskapelle in Treysa

Kunst des sanften Sarkasmus

Flott und furios: Auf Einladung des Vereins Kultur vor Ort war Kabarettist Martin Zingsheim nach Treysa gekommen. Foto: Rose

Treysa. Martin Zingsheim ist ein Virtuose - einer, der mit Worten spielt. Mit Geist und Gottesgabe schlängelt sich der Kabarettist vorbei an Genregrenzen und Paradigmen: Brillant, komisch und irrsinnig schnell fabuliert der Künstler sich quer durch den mehr oder minder intellektuellen Sprachgarten. Martin Zingsheim war am Freitag in der Hospitalskapelle in Treysa zu Gast. Eingeladen hatte ihn der Verein Kultur vor Ort. „Opus meins“ lautet der Titel seines ersten Soloprogramms.

Vor vollem Haus parliert der Kölner flott und furios - geradezu von der Leber weg. Sein komödiantischer Rundumschlag bewegt sich zwischen Themen wie Bürgerrechten, Mobilfunk, Pauschalreisen und Terrorismus. Zingsheim ist kein Sanfter, vermag aber, Grausames in sanfte Worte zu verpacken. Kein plakatives zur Schau stellen, kein Kabarett mit Keule und erhobenem Zeigefinger. Dafür feinsinnig, persiflierend mit Klaviermusik unterlegt, eben sanfter Sarkasmus. Das Problem liege häufig in der Sprache, findet der Künstler: Ein Berater erklärte ihm, dass er „Stand-Up-Comedy“ brauche. „Viel Selbstbewusstsein, wenig Inhalt.“ Besonders beliebt sei im Kabarett die Kirche: „Man muss ja nicht katholisch sein, um homophob zu werden, aber es hilft“, ist Zingsheim überzeugt. Dass der Trend zum Zweitjob geht, darin sieht der Kabarettist Potential. „Wir eröffnen Kalles Kürbis-Klitsche. Da ist alles bio, selbst die Meersalzstreuer auf den Tischen haben Fachabi.“ Auch die Bahn eigne sich immer als Thema: „Auf den Bahnhöfen gibt es jetzt gelb aufgemalte Rauchervierecke - die soll es bald auch für Rentner geben“, parliert der Komiker.

Gerade existenziell sei für den Kabarettisten ein parteipolitischer Teil: „Was für den Politiker die Lüge ist, ist für uns der FDP-Witz.“ Nächste Woche komme übrigens Merkels neues Kochbuch heraus - „Abserviert - was ich alles in die Pfanne hauen durfte“. Da fänden sich so schöne Rezepte wie der „Bildungsferne Schichtsalat“. Philosophisch geht Zingsheim Themen wie Mobilfunk an: „Im vergangenen Jahr wurden mehr Handys verkauft, als es Ohren gibt.“ Inspiriert habe ihn das zu einer Telefonie-Symphonie. Der erste Satz heiße: „Technik perfekt, Menschen defekt.“ Manchmal müsse man einfach über die Welt staunen: „Aber staunen Sie bitte nicht schlecht“, empfiehlt der Kabarettist.

Sprachlich und intellektuell gestärkt wurde das Publikum nicht müde, Martin Zingsheim zu lauschen. Es erklatschte sich noch zwei Zugaben und war schlicht restlos begeistert.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Kommentare