Kunstaktion: Karossen kreisen in Homberg um goldene Kuh

Homberg. Er hat seinen Plan in die Tat umgesetzt: Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer ließ am Sonntag an der Homberger Drehscheibe Autos, Busse und Co. um eine goldene Kuh kreisen.

Was genau sein Nachbar da wieder anzettelte, das erschloss sich Jochen Harle nicht sofort: Ein großer Holzblock und eine goldene Kuh sollten in der Mitte des Kreisels an der Drehscheibe in Homberg aufgestellt werden. Jochen Harle und mit ihm Jan Kirschmann, Olaf Knut und Frank Stadler fragten und überlegten nicht lange, als Dr. Hans-Joachim Bauer sie um Unterstützung bat. Sie sagten ihre Hilfe zu. „Es ist halt Künstler“, sagt Harle und lacht. Aber vor allem sei er ihr Nachbar in Mardorf - und Nachbarn helfen sich auf dem Dorf, sagen die Männer.

Also packten sie am Sonntagmittag an, luden Kuh und Sockel in einen Transporter und fuhren sie nach Homberg. Die fünf starken Männer waren dann nicht nur etwas verdutzt über die vielen Zuschauer, die zum Kreisel kamen, um Bauer und seine goldene Kuh zu sehen, sie waren auch Teil eines Landart-Projektes. Sie halfen beim Aufbau eines sozialkritischen Kunstwerks.

Bauer sah die kreisenden Autos, manche von ihnen echte Luxuskarossen, und er sah in ihnen das Sinnbild für Geld und Materielles: den Tanz um das Goldene Kalb (wir berichteten). Alle Welt strebe nach Einfluss und Macht, so seine Beobachtung. „Das Volk Israel tanzte um das Goldene Kalb, das deutsche Volk fährt um die Goldene Kuh“, sagte Bauer bei einem Zwischenstopp gegenüber der Sparkasse. „Die haben das Geld“, sagte Bauer, als er die Kuh in Richtung Kreditinstitut blicken ließ.

Zu viel Macht

Dann ging es weiter in den Kreisel. Nur sieben Minuten hatte er für die Aktion, denn länger durfte das Kunstwerk nicht im Kreisel stehen bleiben - aus Sicherheitsgründen.

Die Verkehrsteilnehmer wurden über die Aktion informiert, fuhren vorsichtig um den provisorischen Minikreisel. Autos, ein Bus, Fahrradfahrer und ein Motorrad - alle waren sie so für einen Moment Teil der Kunstaktion. Das Materielle habe von den Menschen viel zu viel Macht ergriffen, so Bauer.

Doch nicht nur er, auch einige Zuschauer machten sich ihre ganz eigenen Gedanken zu der im Sonnenlicht strahlenden Kuh. „Sie könnte auch für faire Milchpreise stehen“, sagte einer von ihnen. Andere zeigten sich begeistert von der Aktion und von Bauern Ideen. „Da muss man erstmal drauf kommen“, hieß es hier und dort.

Ein staunender Junge fragte den Künstler, ob die Kuh tatsächlich aus echtem Gold sei. Dass sie es nicht ist, enttäuschte den Knirps nicht sonderlich. „Sie glänzt trotzdem so schön“, so der Junge.

Der schöne Schein - eines der Probleme. Treffender hätte wohl auch der Landart-Künstler seinen Nachbarn und den vielen Zuschauern nicht erklären können, was er da wieder angezettelt hat.

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Quelle: HNA

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