Pfarrer Dieter Otto unterhielt am Samstagabend die Gäste im Museum in Holzburg

Kurioses in Waberner Mundart

Parlierte über die gute alte Zeit: Der frühere „Medzer Paar“ Dieter Otto nahm die Zuhörer mit auf einen humoristischen Ausflug. Fotos:  Rose

Holzburg. Die gute alte Zeit – sie kommt nicht wieder: Oder doch? Im Museum in Holzburg erlebten die knapp 90 Gäste am Samstagabend einen humoristischen Ausflug in jene Zeit. Mundartpfarrer Dieter Otto half dem kollektiven Gedächtnis satirisch auf die Sprünge. Eineinhalb Stunden parlierte der frühere „Medzer Paar“ über die Kuriositäten aus dem Alltag – und das Publikum lachte von Herzen.

„Ich höre auf, wenn die Ersten einschlafen“, versprach Otto. Den wachen Zuhörern entging jedoch keine Pointe. Hingerissen lauschten sie den heiteren Episoden. Zwar kenne der eine oder andere sicher etliche Geschichten, „aber es ist wie mit der Suppe – aufgewärmt schmeckt sie nochmal so gut“. Otto ließ nichts aus: Schwer gebeutelt vom Aufwachsen im Vier-Generationen-Haushalt – „heute würde das nervlich keiner mehr durchhalten“ – sinnierte Otto über das schwere Los des „Beigefreiten“. Der Beruf des Pfarrers habe ihm eine laute Stimme mitgegeben: „Ich hatte ja viel mit alten Leuten zu tun und die waren schwerhörig.“ Begegnet seien ihm auf dem Dorf originelle Menschen wie die Schuster-Anna: „Der musste ich bei Ausflügen immer beim Laufen helfen und sie buffte mich beim Erzählen stets in die Seite.“ Jene alte Dame habe ihn nach dem Gottesdienst ordentlich am Schlafittchen gepackt – damals war bei Ottos gerade das fünfte Kind unterwegs. Die Schuster-Anna habe ihn „am Lätzchen“ des Talars nach unten gezogen und keck kommentiert: „Da merkt man doch, wer viel Zeit hat.“

Wieder zurück in der Kindheit erzählte Otto vom Essen: „Satt sind wir immer geworden. Früher wurde das Schweinchen eben auch von der Schnutte bis zum Schwänzchen uffgefressen.“ Besonders gern habe er bei den Nachbarn Klöße gegessen: „Die Oma hatte große Hände.“ Samstags, da war bei Ottos Badekirmes: „Da kamen immer zwei in die Wanne und danach wurde oben erstmal die Brühe abgeschöpft.“ Nach der ganzen Sippe sei die Oma dran gewesen. Für die wurde also kurzerhand ein Tuch gespannt, die Szene von hinten von der Herdlampe beleuchtet: „Und wir Kinder saßen schön vor der Leinwand.“ Zu Zeiten der Großfamilien gab es auch noch Sperrmülltage: „Die junge Frau hat das Zeug rausgestellt, die Alte hat es wieder reingeholt“, unkte Otto. Der Mundartpfarrer verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern: „Bliebet weiter hibsch gesund.“ (zsr)

Quelle: HNA

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