Fachkräftemangel in Wolfhager Geburtsstation

Kurz vor der Entbindung ins Klinikum verlegt: „Es war der blanke Horror“

Heute hat sie allen Grund zur Freude: Eileen Jacob mit Söhnchen Maddox, dem ganzen Stolz der Familie. Vor Maddox’ Geburt im vergangenen Jahr war ihr aber gar nicht zu Lachen zu Mute. Foto: Beck

Wolfhagen. Eileen Jacob erlebte die Folgen des Fachkräftemangels auf der Wolfhager Geburtsstation am eigenen Leib: Weil keine Kinderkrankenschwester Dienst hatte, musste sie im vergangenen Sommer die Station in Wolfhagen kurzfristig verlassen und sich unter Wehen ins Kasseler Klinikum fahren lassen.

Sie lacht und wirkt fröhlich. Doch die Stimmung schlägt schlagartig um, als Eileen Jacob an die Umstände rund um die Geburt ihres Sohnes Maddox am frühen Morgen des 17. Juni vergangenen Jahres denkt. „Das war einfach unfassbar. Der blanke Horror. Das wünsche ich keiner Frau.“

Eileen Jacob ist noch immer schockiert, wenn sie an das sonnig-heiße Wochenende im Juni zurückdenkt. „Die Gesamtsituation war einfach nur furchtbar“, sagt die 26-jährige Mutter. Doch was war passiert?

Als gebürtige Wolfhagerin freute sich Eileen Jacob sehr darauf, ihren Sohn ebenfalls in der Kernstadt zur Welt zu bringen. Doch als sie mit starken Wehen auf der Geburtshilfestation lag, platzte dieser Plan urplötzlich. „Mir wurde gesagt, dass ich im Klinikum Kassel angemeldet wurde und mein Kind dort zur Welt bringen muss“, sagt sie, „ich habe sofort angefangen zu weinen. Das war ein Riesen-Schock für mich.“

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„Im Vorfeld wusste die Geschäftsführung, dass wir wegen Personalmangel auf der Geburtsstation an diesem Wochenende keine Betreuung sicherstellen konnten“, so der diensthabende Arzt Dr. Werner Prinz. Aus diesem Grund war es nicht möglich, das Kind in Wolfhagen zur Welt kommen zu lassen. Die werdende Mutter und ihr Mann Christian (29) wurden aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen. Ihnen wurde die Adresse des Klinikums in Kassel mitgeteilt, ehe Christian Jacob seine leidende Frau im eigenen Auto nach Kassel fuhr.

„Höllenqualen“

„Das war unfassbar. Man glaubt gar nicht, wie lange 30 Minuten sein können“, berichtet Eileen Jacob von „Höllenqualen“, die sie während der Autofahrt erleiden musste, „ich merkte jede Unebenheit auf den Straßen, und Kassel war wegen des Hessentags völlig überfüllt. Wir sind fast verrückt geworden.“

Im Nachhinein hätte sie sich einen Transport im Krankenwagen gewünscht. Zudem wurde die Hochschwangere auf ihrem Weg vom Parkplatz bis zur Klinik von vielen Menschen gesehen, was eine unangenehme Situation darstellte.

Ohne ihren Mann, der ihr immer wieder Kraft vermittelte, hätte sie diese ganzen Strapazen bis zur Geburt des kleinen Maddox in der Nacht nicht schadlos überstanden. Aber letztlich ist diese Geschichte für die Eltern nun abgehakt. So furchtbar die Umstände vor und nach der Geburt (Klimaanlage fiel drei Tage aus) waren, alle Schmerzen sind jetzt vergessen. Schließlich ist der Sonnenschein der Familie wohlauf. Trotz aller Umstände.

Freitag: Demo um 16 Uhr

Am Freitag wird ab 16 Uhr gegen die bevorstehende Schließung der Geburtshilfestation demonstriert. Start ist um 16 Uhr an der Sonnenapotheke.

Von Nico Beck

Quelle: HNA

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