Senioren erinnern sich an frühere Viehmarktstage

Senioren erinnern sich an frühere Wolfhager Viehmärkte

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Marie Kraft

Für die heute in Wolfhagen lebende 87-jährige Marie Kraft ist der Besuch des Viehmarktes alljährlich ein Muss. Und dies schon seit Kindesbeinen an.

Wobei das heutige Erscheinungsbild des Heimatfestes mit all den High-Tech-Fahrgeschäften sowie der Fülle an Vergnügungs- und Verkaufsbuden im krassen Gegensatz zu dem steht, was sie als kleines, in Bründersen als Marie Alheid geborenes Mädchen in Erinnerung hat.

„Wenn in Wolfhagen Viehmarkt war“, so die rüstige Seniorin, „dann spannte mein Vater, ein leidenschaftlicher Pferdenarr, die große Kutsche an - und ab ging es darin mit den Eltern, Großeltern sowie allen Kindern in die benachbarte Kreisstadt. Das war vor allem für uns Kinder jedesmal ein Freudentag.“

Obwohl Essen und Trinken mitgenommen wurden, mussten Marie und ihre Geschwister nicht auf bestimmte Jahrmarktsvergnügen verzichten. Zum Beispiel auf ein Glas Quatsch (Himbeersaft) aus dem Eimer, ein Eis, ein Fischbrötchen für die stolze Summe von 15 Pfennig sowie natürlich auf eine Karussellfahrt.

Im Mittelpunkt des Viehmarktsbesuchs, so erinnert sich Marie Kraft, aber stand der Einkauf von Gebrauchsgütern. Angefangen von Stoff und den dazugehörenden Nähutensilien, über Küchengerätschaft, bis hin zum Schulbedarf für die Kinder.

Die 83-jährige Wolfhagerin Elfriede Kunz war acht oder neun Jahre alt, als sie sich zum ersten Mal in den Jahrmarktstrubel stürzen durfte. „Von meinem Opa in Kassel bekam ich jedesmal ein paar Mark Viehmarktsgeld, für damalige Verhältnisse eine unglaublich hohe Summe. Die ich fast nur für ein Vergnügen auf den Kopf haute: Für Fahrten im Kettenkarussell. Da war ich Dauergast und durfte deshalb auch ab und zu kostenlos eine Runde drehen.“

Für die vier Jahre jüngere Marie Schwarz aus Wenigenhasungen, die aber in Dörnberg das Licht der Welt erblickte, erfüllte sich bei ihrem ersten Viehmarktsbesuch ein Kindertraum: „Ich war fünf Jahre alt und bekam von meiner Mutter einen kleinen Puppenwagen gekauft. Mehr gab es nicht, aber ich war überglücklich. Essen und Trinken hatten wir von zu Hause mitgenommen.“

„Als ich Kind war“, so der heute 74-jährige frühere Nothfelder Ortsvorsteher Heinz Peter, „sind meine Eltern mit mir immer zum Viehmarkt gegangen. Doch eigenes Viehmarktsgeld habe ich nie bekommen. Drei Vergnügungen bekam ich aber von meinen Eltern spendiert: eine Bratwurst, ein Eis sowie eine Karussellfahrt. Und wir hatten zu Hause noch Wochen nach dem Fest Viehmarktsvergnügen. Denn bevor wir den Heimweg antraten, kaufte meine Mutter noch einige Süßigkeiten, die unter Verschluss kamen und nach verteilt wurden.“

(zih)

Quelle: HNA

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