Am 31. Dezember schließt das Ehepaar Seidel seinen Edeka-Aktivmarkt im Borkener Stadtteil Dillich

Ihr Laden ist bald Geschichte

Schwelgen in Erinnerungen: Ingrid und Hans-Joachim Seidel aus Dillich. Foto: Zerhau

Dillich. Eine Ära geht zu Ende. 98 Jahren gab es in Dillich einen Lebensmittelmarkt, doch am 31. Dezember schließen Ingrid und Hans-Joachim Seidel ihren Betrieb. Die Entscheidung ist ihnen nicht leicht gefallen, aber gesundheitliche Gründen gaben den Ausschlag. In den 43 Jahren, in denen die beiden das Geschäft geleitet haben, gab es neben viel Arbeit und Hektik auch viele Begebenheiten, an die sie sich gerne erinnern.

Dazu gehört auf jeden Fall der Bau des Marktes. Nur sechs Wochen nach der Grundsteinlegung wurde er am 18. Juni 1976 eröffnet. Da lagen sechs hektische Wochen hinter den Seidels. Hans-Joachim Seidel erinnert sich, dass sich die Handwerker förmlich überschlagen hätten.

An die Zeit vor seiner Leitung erinnerte ihn eine ältere Frau von über 80 Jahren. Sie kam in den Laden und erzählte, dass sie bereits bei Seidels Mutter Anneliese Kundin war. Die Seniorin berichtete, dass sie zur ihrer Hochzeit in dem Gemischtwarenladen Gardinen kaufen wollte. Da vor 60 Jahren das Geld knapp war, habe ihr Anneliese Seidel solch ein gutes Angebot gemacht, damit dann zur Hochzeit alle Fenster mit Gardinen verziert waren.

Zufall stand Pate

Bei der Gründung des Kolonialwarenladens Flecke stand der Zufall Pate. Um das Jahr 1910 reiste der Dillicher Konrad Flecke, der Großvater von Hans-Joachim Seidel, nach Kassel, um eine Ladeneinrichtung für ein Schuhgeschäft zu erwerben. Aber er hatte Pech, lediglich das Mobiliar eines Kolonialwarenladens wurde feilgeboten. Da es in Dillich ein solches Geschäft nicht gab, erwarb Konrad Flecke kurzerhand die angebotene Einrichtung und eröffnete im elterlichen Haus einen Kolonialwarenladen.

1947 übernahm die Tochter, Anneliese Seidel, geb. Flecke, das Geschäft. Schon bald wurde es in den Verkaufsräumen zu eng, und so kaufte man 1953 das Haus Hofmann und eröffnete in der dazugehörigen Scheune ein neues, größeres Geschäft.

Anfang der 60er Jahre war das Ende des Tante-Emma-Ladens gekommen. Unter neuer Leitung ihres Sohnes Hans-Joachim entstand 1967 ein Selbstbedienungs-Markt. Mit der Heirat im Jahre 1974 bekam Hans-Joachim Seidel Unterstützung durch seine Frau Ingrid. Sie ist gelernte Einzelhandelskauffrau und brachte auch aus dem Lebensmittelgeschäft ihrer Eltern Erfahrung mit.

Größerer Neubau

Die Ansprüche der Kunden in und um Dillich wuchsen, die Angebotspalette musste erweitert werden. So errichtete Hans-Joachim Seidel 1976 einen Neubau in der Rothengasse, den Edeka-Aktivmarkt Seidel. Ein großer Einkaufsmarkt war entstanden, der auch über eine Frischfleisch-Abteilung verfügte. Um noch leistungsfähiger und bedarfsorientierter zu werden, entstand 1984 durch einen Anbau eine eigene Fleischerei.

Mit dem Ablegen der Prüfung zum Metzgermeister kam für Hans-Joachim Seidel 1983 die Anerkennung als Fleischerfachgeschäft für die neue Abteilung seines Edeka-Marktes. Im Laufe der Jahre wurden 50 Verkäuferinnen, ein Einzelhandelskaufmann und Fleischerfachverkäuferinnen ausgebildet. Zuletzt waren drei Mitarbeiterinnen in dem beschäftigt.

Von Peter Zerhau

Quelle: HNA

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