Nach 40 Jahren schließen Gerda und Hans Walter Kotte ihr Geschäft in Gilserberg

Regale leeren sich: Diese Zahlen hingen viele Jahre im Schaufenster und im Laden von Hans Walter Kotte (79). Vor wenigen Wochen hat das Ehepaar das Geschäft aufgegeben. Fotos: Rose

Gilserberg. Reis, Nudeln, ein paar Glühlampen, Geburtstagskarten, Duschgel, Zigaretten, Briefumschläge – die Regale im kleinen Lädchen der Kottes in Gilserberg sind bis auf wenige Artikel leer.

Das Schild über der Eingangstür hat Hans Walter Kotte entfernt. Zwei bekannte Getränkefirmen werben noch mit ihrem Logo. Das Schaufenster verdeckt eine große Jalousie. Kottes haben die Schotten dicht gemacht: Nach fast 40 Jahren hat das Ehepaar sein Geschäft in der Bahnhofstraße aufgegeben. „Einmal muss Schluss sein, aber einfach war das nicht“, sagt der 79-Jährige. Der gelernte Raumausstatter machte sich 1962 mit seiner Frau selbständig. Im neu gebauten Haus richteten sich Kottes ein Zimmer als Verkaufsraum ein. Polsterwaren, später Waren der örtlichen Bäckerei, bot das Paar dort an.

1972 Ladenfläche angebaut

Im Jahr 72 bauten Kottes einen Laden an – nur durch eine Tür von der Küche getrennt. „Mein Mann war als Raumausstatter viel unterwegs. Erklang in der Küche die Glocke, bin ich schnell in den Laden gewetzt“, erzählt Gerda Kotte. Besonders am Vormittag war viel los: Schüler der nahen Grundschule kauften Süßigkeiten – „besonders die Lutscher aus den großen runden Dosen.“ Ruhiger wurde es, als die Kinder den Hof während der Schulzeit nicht mehr verlassen durften.

Knapp 30 Jahre gingen auch die Tipper aus dem Hochland bei Kottes ein und aus. „Zwei Autos und auch einige beachtliche Geldbeträge haben unsere Lottospieler abgeräumt“, erklärt der Geschäftsmann. Gewinne bis zu 7000 DM wurden direkt in Gilserberg ausgezahlt.

Gerda Kotte pendelte täglich von acht bis 18 Uhr zwischen Küche und Kasse, zwischen Lebensmitteln, Zeitschriften, Schreib- und Tabakwaren. „Beim Einkaufen hat mir so Mancher sein Herz ausgeschüttet“, erzählt sie. Der Kundenkontakt fehle ihr schon, sagt die 73-Jährige – auch wenn sie ans Haus gebunden war. „Bis ich heute etwas gewahr werde, weiß es schon das ganze Dorf.“

In den vielen Jahren blieb das Geschäft keinen Werktag geschlossen. Drei Mal war das Ehepaar im Urlaub. Da sprang der Sohn ein.

Kein Nachfolger für Laden

Mit den Kottes sind auch die Kunden älter geworden. „Für die, die gestorben sind, kam einfach niemand nach“, sagt Hans Walter Kotte. Dass eines der drei Kinder das Geschäft übernimmt, stand nie zur Debatte. „Davon kann heut keiner mehr leben“, erklären Kottes.

Leicht fiel es dem Ehepaar nicht. „Es hat weh getan, die Türen zu schließen“, sagt Hans Walter Kotte.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Kommentare