„Das ist unmenschlich“

Lärm an der A 49 macht krank – Anlieger in Holzhausen klagen die Politik an

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Sie wollen den Druck auf die Politiker und Behörden verstärken: von links Peter Witt und Petra Witt-Degenhardt von der „Ostseite“, dahinter Petra Schmelz von der „Westseite“, Bürgermeister Karl-Heinz Färber, Günther Schumann als Sprecher der Interessengemeinschaft Lärmschutz A 49 und SPD-Landtagsabgeordneter Günter Rudolph.

Holzhausen/Hahn. Wäre die A 49, die durch den Edermünder Ortsteil Holzhausen/Hahn führt, nicht Altbestand, sondern würde neu gebaut, gäbe es für die geplagten Menschen entlang dieser Strecke keine Probleme. Oder zumindest weniger.

Dann hätten sie nämlich Anspruch auf besseren Lärmschutz, geringere Lärmwerte wären gültig. Und sie dürften hoffen, mal wieder zu ruhig schlafen oder auf ihrer Terrasse sitzen zu können. Aber die A 49 gibt es schon lange. Die berechneten Lärmwerte überschreiten die höheren Grenzwerte in ihrem Fall nicht. Behauptet jedenfalls die hessische Straßenbauverwaltung, die heute Hessen Mobil heißt. Obwohl alle, die auf der A 49 zwischen Scharfenstein und Hertingshausen unterwegs sind, schon in ihren Fahrzeugen hören können: Hier ist es lauter.

Ein neuer Fahrbahnbelag, der vor einigen Jahren dort aufgebracht wurde, hat den vorher erträglichen Lärm unerträglich werden lassen. „Ich kann noch nicht einmal vor dem Haus telefonieren, ich verstehe nichts“, sagt Jutta Schmelz. Sie wohnt auf der Westseite der A 49, ohne jeglichen Schutz durch Wall oder Wand.

Auf eigene Kosten Sie habe inzwischen auf eigene Kosten vierfach verglaste Fenster einbauen lassen, aber ihre Terrasse könne sie nie nutzen. Und immer bei geschlossenen Fenstern leben - das sei ja wie Gefängnis. Ähnlich geht es dem Ehepaar Witt: Sie kauften 2009 das Haus auf der Ostseite, am Sonnenhang unterhalb des Hahns, wohl wissend um die A 49. „Aber damals war das alles okay“, sagt Petra Witt-Degenhardt. Erst seit dem neuen Belag könne man es kaum aushalten.

Wie Hohn und Spott kommt es den betroffenen Menschen vor, wenn die Behörden seit Jahren behaupten, dass es nicht lauter geworden sei. Eigene Messungen haben klar ergeben, dass der Lärm ab dem neuen Fahrbahnbelag deutlich ansteigt. Aber Messungen werden nicht akzeptiert. Das eigene Empfinden schon gar nicht. Seit es die Interessengemeinschaft Lärmschutz A 49 gibt, fordern die Holzhäuser lautstark und nachdrücklich Antworten auf die vielen offenen Fragen. Warum wurde dieser Asphalt durch die Ortslage verlegt und nicht der viel leisere? Warum wurden Berechnungen zugunsten der Anlieger verschwiegen? Warum ist ein Tempolimit nicht schnell machbar? Warum wurden die Bäume und Büsche entlang der A 49 abgeholzt und ein teurer Wildzaun gebaut?

Der Edermünder Landtagsabgeordnete Günter Rudolph macht sich stark für die Holzhäuser und hat in einem Brief an den hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir um Erklärungen gebeten. „Wir können kurzfristig eine Verbesserung erreichen, wenn ein Tempolimit angeordnet würde“, sagte er am Freitag bei einem Gesprächstermin im Holzhäuser Rathaus. Schon im vergangenen Jahr war das eine der Forderungen, die die Gemeindevertretung beschlossen hatte. Antworten seitens des Ministeriums gibt es nicht. Was bisher vorgeschlagen wurde, sei doch unmenschlich, sagte Bürgermeister Karl-Heinz Färber, die Anlieger ließe man leiden, nur aus wirtschaftlichen Gründen. Um die Situation zu verbessern, sei lediglich der politische Wille dazu notwendig.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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