Norman Schneider aus Wiera baut und spielt Puppen für Film, Fernsehen und Shows

Er lässt die Puppen tanzen

Ein Mann und sein Frosch: Norman Schneider kommt aus Wiera. Er ist Puppenbauer und hat gerade Hr. Grün für Sänger Max Raabe entworfen. Fotos: nh

Wiera/ Bielefeld. Als Norman Schneider mit 18 Jahren immer noch leidenschaftlich mit Puppen spielte, begannen sich seine Eltern Sorgen zu machen. Inzwischen ist aus dem Jungen aus Wiera ein erfolgreicher Puppenbauer geworden, der in seinem Bielefelder Atelier Figuren für Film, Fernsehen und Showbusiness herstellt.

Mit Handpuppen spielt der 38-Jährige bis heute: unter anderem für die „Sesamstraße“ oder das neue Musikvideo von Max Raabe.

Mit einem Hund aus Frottee fing es an. Norman Schneiders erste selbt gebaute Handpuppe stand regelmäßig für die Eltern und die Nachbarskinder auf der Wohnzimmer-Bühne. „Schon als Grundschüler habe ich mir kleine Märchenaufführungen ausgedacht.“

Wann immer sich der spätere Schüler der Ostergrundschule etwas von seinen Eltern wünschen durfte, war es eine Handpuppe. Zur „Muppet Show“ und „Sesamstraße“ klebte er vor dem Fernseher. Er lernte beim Zuschauen. Und so wurden aus der einfach gebastelten Hundepuppe relativ bald aufwändige Figuren: Tischfiguren, Marionetten, Stock- und Stabfiguren.

Werbefigur Hans mein Igel machte viel Arbeit: 4000 Stacheln wurden angeklebt.

Der Wieraer ließ seinen Traum nicht aus den Augen – auch nicht, als seine Eltern ihn baten, zunächst eine „vernünftige Ausbildung“ zu machen. Als der elterliche Wunsch mit einer Tischlerlehre bei der Schwalmstädter Schreinerei Merz und Sohn erfüllt war, hielt den damals 19-Jährigen nichts mehr in der Region. Er ging 1991 nach Bielefeld, wo er jahrelang als Puppenspieler in einem Figurentheater-Ensemble arbeitete. „Wenn ich eine Figur länger spiele, baue ich eine Beziehung zu ihr auf. Sie ist dann mehr als ein Werkzeug.“

Die Theaterbühne sollte nicht die Endstation sein: Norman Schneider nahm Schauspiel- und Gesangsunterricht und besuchte Kurse bei Puppenbauern. Vor sechs Jahren machte sich der Ex-Schwälmer selbsständig.

Kleine Firma ist entstanden

Mit zwei Mitarbeitern baut er mittlerweile in seinem Bielefelder Atelier Puppen für Film- und Fernsehen. Gerade hat er für Max Raabes neues Musikvideo zu „Küssen kann man nicht alleine“ den Protagonisten Herr Grün entworfen. Die Frosch-Figur erinnert an Kermit – sie ist aber nicht so nackt wie dieser und melancholischer. Weitere Puppen hat Schneider etwa für Kinderserien von Super RTL kreiert. Auch für die „Sesamstraße“ greift er regelmäßig in die Handpuppe.

Comedian Atze Schröder hatte für seine Live-Show einen ganz besonderen Wunsch: „Er wollte von mir zwei riesige Teddys, die per Knopfdruck auf einer Fernbedienung mit ihm zusammen auf der Bühne singen.“

400 Stunden Arbeit

Zwischen 40 und 400 Arbeitsstunden investiert der ehemaliger Wierarer, dessen Mutter bis heute dort wohnt, in den Bau der Puppen. Besonders aufwändig war zuletzt ein Igel. An die 4000 Stacheln mussten per Hand angeklebt werden.

So gut wie 2010 lief das Geschäft noch nie: 75 Figuren haben in seinem Atelier das Licht der Puppenwelt erblickt. Grund dafür: Echte Puppen sind beim Film gefragt wie lange nicht mehr. „Sie haben etwas Ehrlicheres als digital animierte Sachen.“

Dass der Beruf des Puppenbauers ebenso ehrlich ist, davon ist inzwischen auch seine Familie überzeugt. Seine Mutter ist stolz, dass der 38-Jährige noch mit Puppen spielt. www.figurenschneider.de

Von Bastian Ludwig

Quelle: HNA

Kommentare