Hungersnot am Horn von Afrika – Fritzlarer war vor Ort

Hungersnot am Horn von Afrika: Jeden Tag kommen tausende Flüchtlinge aus Somalia in das Auffanglager bei Dollo Ado in Äthiopien an. Von dem Auffanglager geht es mit einem Konvoi zu den nahe gelegenen Flüchtlingscamps. Dort leben die Menschen in festen Zelten, oft jahrelang. Fotos:  Global Care/nh

Fritzlar/Dollo Ado. Eigentlich gibt es immer ein Licht am Horizont, sagt Reinhard Berle, doch am Horn von Afrika sieht er es nicht. Der Vorsitzende der Hilfsorganisation Global Care mit Sitz in Fritzlar kehrte vergangene Woche von seiner Reise nach Äthiopien zurück. Dort besuchte er die Flüchtlingslager bei Dollo Ado, für die Global Care seit Wochen Geld sammelt.

Für die Fritzlarer Hilfsorganisation war Berle schon in vielen Krisengebieten in Lateinamerika, Afrika und Asien. Doch das, was derzeit in Ostafrika passiert, macht ihn ratlos. „Normalerweise gibt es eine Katastrophe, wie einen Tsunami, dann wird geholfen und aufgebaut und irgendwann ist es geschafft. In Ostafrika aber ist ein Ende nicht in Sicht.“ Die Flüchtlingslager wachsen täglich um mehrere tausend Menschen. Vier Camps und ein Auffanglager gibt es derzeit bei Dollo Ado. Ein fünftes Camp ist in Planung. Jedes ist für 20 000 Menschen angelegt, doch in einigen ist die Flüchtlingszahl mittlerweile auf 35 000 bis 40 000 gestiegen.

Die Menschen würden zwar mit Wasser, Nahrung und Medikamenten versorgt, für viele gebe es aber keine Unterkunft, sagt Berle. „Dramatisch, denn Hitze von 40 Grad, heftige Stürme und tropischer Platzregen bestimmen die Wetterlage.“

Deswegen stellt Global Care die Spenden für den Bau von Häusern zu Verfügung. In Kooperation mit der äthiopischen Organisation PaPDA sollen kleine Steinhäuser für je eine Familie gebaut werden, denn die somalischen Flüchtlinge sind oft Jahre, ja sogar Jahrzehnte in den Camps. 200 000 Euro stellte Global Care bisher zu Verfügung. Um die Umsetzung kümmerten sich dann die Vereinten Nationen gemeinsam mit der äthiopischen Regierung. „Die leisten beeindruckende Arbeit“, sagt der Fritzlarer. Natürlich sei die Regierung überfordert, Äthiopien sei ja selbst ein sehr armes Land mit vielen Problemen und nun müsse das Leben von hunderttausenden Flüchtlingen organisiert werden. „Eine Aufgabe auf unbestimmte Zeit, denn solange in Somalia der Bürgerkrieg herrscht und sich nichts ändert, bleiben die Menschen in den Lagern“. Einigen seien schon seit 20 Jahren dort.

Tagein, tagaus sitzen sie vor ihren Zelten und warten auf die nächste Nahrungsration. Sie dürfen zwar das Camp, nicht aber die Region verlassen. Eine Arbeitserlaubnis für Äthiopien bekommen sie nicht. „Die äthiopische Regierung versucht zu verhindern, dass die Leute sesshaft werden, denn sie haben bereits genug Einheimische, die Arbeit suchen“, sagt Berle.

Reinhard Berle ist besorgt. „Wir helfen zwar die Menschen zu versorgen, damit sie nicht sterben, doch die Augen der Flüchtlinge sind voller Verzweiflung, Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Und niemand weiß, wie es anders werden soll. Wir sind alle ratlos.“

Die Umwelt leidet

Kaum scheint ein Problem gelöst, tut sich ein neues auf. In den Lagern bekommen die Menschen Reis, Mehl, Hirse und andere Nahrungsmittel, um sich etwas zu kochen. Dafür benötigen sie Feuerholz. „Mittlerweile sind fast alle Bäume in der Umgebung abgeholzt, jetzt stürmt der Wind ungebremst über die Zelte hinweg. Neben der humanitären Katastrophe wachsen nun auch die Umweltprobleme.“

Von Heike Wagner

Quelle: HNA

Kommentare