„Jeder Raum hat eine andere, unerträgliche Duftnote.“

"Lager statt Freizeitpark": Titanic-Bericht über Seniorenpark in Borken

Borken. In der aktuellen Ausgabe des Satiremagazins "Titanic" werden dem Seniorenfreizeitpark in Borken sechs Seiten gewidmet.

Ein breites Medienecho hatte sich Richard Rode erhofft, als er im Alten Kraftwerk Borken seinen Seniorenfreizeitpark eröffnete. Er hatte bundesweit eingeladen, unter anderem waren Journalisten der Welt, der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, von Radio- und Fernsehsendern gekommen.

„Flink wie Grobstahl“: So beschreibt die Titanic Richard Rode.

Dem Satiremagazin Titanic hat Rode wahrscheinlich nicht Bescheid gegeben. Doch die Titanic-Redakteure kamen trotzdem nach Borken und widmen dem Park in der aktuellen Ausgabe satte sechs Seiten mit reichlich Bildern.

„Greise ins Glück“ ist der Artikel in bunten Lettern überschrieben, in dem die „Titanic-Fachbesucher“ Torsten Gaitzsch, Michael Ziegelwagner und Moritz Hürtgen den Park hochleben lassen - in bester satirischer Titanic-Manier natürlich.

Schon der erste Eindruck wecke Begeisterung und Nostalgie: „Backsteinwände, Zuggleise, Suchscheinwerfer, Wachhunde - wer da nicht ins Schwärmen kommt und in Jugenderinnerungen an Ferien- oder sonstige Lager schwelgt, dem ist nicht zu helfen.“

Radio-HNA-Interview mit dem Titanic-Autoren:

Und das Innere locke „betagte Gäste mit vertrauten Reizen: Ungelüftet, sparsam beleuchtet und mit exquisitem Deckenschimmel ausgestattet“.

Gaitzsch, Ziegelwagner und Hürtgen lassen nichts aus und spießen dabei auf ihre Art auch die Kritik auf, der Park sei ein Sammelsurium: „Dieser Erlebnispark ist eine wunderschöne Reise durch die eigene, fröhlich durcheinandergebrachte Erinnerung, in der schon mal ein Porträt von Erich Honecker im Dritten-Reich-Raum hängt.“

Außerdem, so die Autoren, gebe es ein Riech-Leitsystem: „Jeder Raum hat eine andere unerträgliche Duftnote.“ Die zahlreichen Exponate (laut Titanic mehrere Billionen Objekte) und die schiere Größe der Hallen sorgen für Spott. Für Senioren sei das aber gut: „Wer es durch die vielen Kilometer Ausstellungsräumlichkeiten schafft, der tut was für seine Kondition und fällt dem Pflegestaat nicht zur Last. Bzw. gleich tot um.“ Die Redakteure hatten viel zu entdecken, etwa das „offizielle Huldigungsbild Adolf Hitlers“ und Eisentüren mit „Einschusslöchern“.

Als Fazit glauben die Autoren, dass „eine sinnfälligere Nutzung des riesigen Geländes: als Internierungslager für AfD-Symphatisanten“. Dort könnten sie ihren Totalitarismustheorien frönen und „fünfmal am Tag gen D-Mark-Denkmal beten“.

Service:

Titanic-Ausgabe September, 4,50 Euro im Handel.

Ob Richard Rode den Vorschlag, „Lagerkommandant“ zu werden, witzig findet, darf bezweifelt werden. Die Titanic-Redakteure hatten jedenfalls offensichtlich Spaß beim Abstecher nach Borken.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Foto: Dellit

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