Gudensberg geht neue Wege

Grudda-Jahr: Laien als Kunstvermittler

Großes Interesse: Viele wollen sich zu Kunstvermittlern für die Grudda-Ausstellungen ausbilden lassen.

Gudensberg. „Ihr seid ja viele!“ Mit diesem überraschten Ausruf begrüßte die Künstlerin Carin Grudda die 32 Frauen, Männer, Mädchen und Jungen, die sich am Brunnen vor dem Rathaus eingefunden hatten.

Sie alle wollen sich zu Kunstvermittlern ausbilden lassen, denn vom 17. August bis 27. Oktober zeigt Carin Grudda, die in Gudensberg geboren ist und jetzt in Italien lebt und arbeitet, zahlreiche ihrer Werke überall in der Stadt.

Ein Kunstparcours lädt ein, mehr als 15 Skulpturen zu besichtigen, die in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind. Im Kulturhaus Synagoge hängen Kaltnadelradierungen, im Haus am Töpfenmarkt finden sich die farbenfrohen Bilder Gruddas wieder.

„Jede Skulptur hat ihre eigene Geschichte“, begann Carin Grudda ihre Unterweisung der künftigen Kunstvermittler. Bald wussten die Teilnehmer, dass der Kern des Mutterschweins am Brunnen vor dem Rathaus eigentlich ein Wolf ist. Sie hörten die Sage, die hinter der Brunnengestaltung steht und erfuhren, wie schwer es ist, Hände und Füße in Bronze zu gießen.

Immer wieder spricht Carin Grudda von Spuren, die jeder Mensch hinterlässt im Laufe seines Lebens. „Die alten Türen, die in Bronze gegossen worden sind, hatten schon viele Spuren in der Originalfassung. Denen habe ich meine Fußabdrücke beigefügt, meine Spuren. Heute, hier und jetzt, fügt ihr eure Spuren hinzu, wenn ihr über die Türen geht“, erläuterte sie.

Jede Skulptur hat ihre eigene Geschichte: Künstlerin Carin Grudda bei der Großen Frau. Foto: privat

Leicht verständlich vermittelt die Künstlerin, was ihr wichtig ist, welche Geschichte hinter dem Kunstwerk steht, aber auch, wie die Arbeiten entstehen. In einem Film, der vor zehn Jahren für das Fernsehen gedreht worden ist, kann man beobachten, wie die Blaumiau (sie steht vor dem RP in Kassel) Schritt für Schritt entstanden ist.

Eine Knochenarbeit. Drei Tonnen Ton werden verarbeitet, um die Grundform zu modellieren. „Dabei denken oft die Hände“, sagt Grudda. Was letztendlich herauskomme, könne man bei den Planungen nicht sagen. Eine so große Figur sei zudem hohl und nicht in einem Teil zu gießen.

Zu allen Figuren erzählte Carin Grudda kleine Geschichten, die es den Teilnehmern erleichtern werden, die Kunstwerke im Jahresverlauf den Besuchern zu präsentieren. Anhand vorbereiteter Unterlagen besteht die Möglichkeit, das Gehörte zu vertiefen. (red)

Quelle: HNA

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