Reaktionen von Medizinern auf den Engpass bei der Patientenversorgung

Landärzte stoßen an ihre Grenzen

Wolfhager Land. „Wir sind enttäuscht“, sagt Wolfgang A. Dort, Allgemeinmediziner in Bad Emstal-Sand. Dr. Hubert Bußmann habe sich nicht um eine Vertretung gekümmert. Ein Anruf hätte genügt, dann wären die Kollegen von Anfang an eingesprungen. „Das ändert aber nichts daran, dass wir sowieso knapp besetzt sind“, sagt Dort. „Dauernd kommen Leute, doch viele muss ich wegschicken.“

Dem Arzt wird derzeit nach eigenen Angaben die Behandlung von 900 Patienten bezahlt. Er habe aber 1100 Patienten. Für die Differenz erhalte er keine Vergütung. „Das tut weh“, sagt Dort. Er müsse fünf Angestellte bezahlen, und bereits Mitte Februar habe er sein gesamtes Budget für das erste Quartal verbraucht.

Die Bedingungen für Hausärzte auf dem Land seien in den vergangenen Jahren immer schlechter geworden. „Früher habe ich manchmal 24 Stunden gearbeitet, wurde aber auch dafür bezahlt.“ Wer kommt, werde zwar versorgt, sagt Dort. Doch die zusätzliche Belastung gehe an die Substanz. Daher könne er nicht dauerhaft Naumburger Patienten behandeln.

Wolfgang A. Dort befürchtet, dass es keinen Nachwuchs bei den Hausärzten geben wird. „Wir kriegen die jungen Leute nicht aufs Land.“ Bald werde alles über medizinische Versorgungszentren geregelt, erwartet Dort. „50 Kilometer Fahrt sind laut Gesetzgeber zumutbar“, beklagt Dort.

„In der Stadt ist alles einfacher“, sagt auch Landarzt Johannes Degen aus Ehlen. Ärzte auf dem Land müssten deutlich mehr arbeiten und Hausbesuche machen. „Wir werden lächerlich bezahlt und zahlen teilweise sogar drauf“, sagt Degen.

Daher müsse man Anreize schaffen, damit sich junge Ärzte hier niederlassen. Zum Beispiel sollten Städte und Gemeinden günstige Praxisräume zur Verfügung stellen. Es seien schlechte Aussichten, dass sich Patienten bald an medizinische Versorgungszentren wenden müssten. Degen: „Dann ist jedes Mal ein anderer Arzt zuständig, der die Patienten nicht kennt.“ (sdl)

Quelle: HNA

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